The Mind – Lasst uns eins werden

Autoren: Oliver Freudenreich und Wolfgang Warsch

Genre: Kartenspiel und Kooperatives Spiel

Verlag: Nürnberger Spielkarten Verlag

ab 8 Jahren

EAN 20 Min.

für 2 - 4 Spieler

‚The Mind’ ist nicht einfach nur ein Kartenspiel. Es ist eine kooperative Team-Erfahrung. Die wichtigste und nahezu einzige Regel lautet: Lies die Gedanken deiner Mitspieler und lass diese im Gegenzug auch in die deinen schauen! Denn nur, wenn alle Mitspieler einander vertrauen und zusammenarbeiten, gelingt es, das finale Level zu erreichen und sämtliche Vorgabekarten fehlerfrei in aufsteigender Reihenfolge abzulegen.

Der Spielverlauf einer Runde ist simpel. Alle sitzen gemeinsam um den Tisch und sehen ihre eigenen Handkarten. Dann fängt irgendeiner aus der Gruppe damit an, eine seiner Karten abzulegen. In der Hoffnung, damit die insgesamt niedrigste im Spiel befindliche Karte ausgespielt zu haben. Irgendjemand anderer macht weiter. Oder vielleicht spielt man auch lieber selber die nächste aus, weil der Abstand in den eigenen Handkarten schon so niedrig ist, dass man sich beim besten Willen nicht vorstellen kann, jemand anderer könnte eine Karte dazwischen haben? Das geht so lange weiter, bis entweder alle Handkarten richtig ausgespielt wurden. Dann erreicht die Gruppe das nächste Level und bekommt womöglich sogar zur Belohnung ein weiteres Reserve-Leben. Oder bis jemand eine Karte falsch ausspielt. Dann verliert die Gruppe eines ihrer Leben vom entsprechenden Stapel. Hat die Gruppe alle Leben aufgebraucht, hat sie verloren und das Spiel endet. Man spielt gleichzeitig und ohne sich Tipps in irgendeiner Form zu geben. Keine Handzeichen oder Grimassen, keine Wortspiele. Nur… Gedankenlesen eben. Das Spiel endet für die Gruppe erfolgreich, wenn sie es bis Level 12 geschafft und alle Handkarten abgelegt haben.

Je nachdem, mit wie vielen Mitspielern man ‚The Mind’ spielt, ändert sich die Anzahl der Vorgabekarten, ebenso wie jene der Hilfskarten. Denn es ist ja nur logisch, dass Gedankenlesen eine hohe Kunst ist, die nicht jedem sofort leicht von der Hand geht. Also darf man die Gefahr eines Fehlschlags auch ab und an mit einem Wurfstern abwehren. Bloß blöde, dass man von denen nicht allzu viele zur Verfügung hat. Es will also gut überlegt sein, ob man sie einsetzt. Ob man das tut, ist eine Gruppenentscheidung. Legt man einen Wurfstern aus dem Gemeinschaftsstapel ab, so dürfen alle reihum ihre niedrigste Handkarte offenlegen, womit es im Idealfall danach klar ist, wer wann weiter ablegen kann, ohne die richtige Reihenfolge zu gefährden.

‚The Mind’ eignet sich hervorragend als reine Zwei-Personen-Variante, weil dabei der Rollenspielfaktor noch sehr viel mehr zum Tragen kommt, als in größeren Spielergruppen. Wer wollte nicht schon mal in die Gedanken des Partners eintauchen? Die witzig gestalteten Esoterik-Kaninchen mit den aufgedruckten Schlagwörtern je erreichtem Level, wie „Verschmelzung von Geist und Materie“, „Abspaltung vom Raum-Zeit-Kontinuum“, „Erhöhte Sensibilität“, „Gruppenbewusstsein“ oder „Telepathische Kommunikation“ machen es einem sehr leicht, in die richtige Stimmung dafür zu finden. Und obendrein gibt es ja auch je neuem Rundenstart die Konzentrationsphase, in der alle Mitspieler dazu aufgefordert werden, ihre geistigen Schwingungen aufeinander abzustimmen. Was soll da noch schief gehen?

Dieses kleine Kartenspiel hat sich sofort einen Platz in unseren Herzen – und in unseren Gedanken – erschlichen. Es ist sofort losspielbar; man muss nicht mal die Handkarten der Werte 1 bis 100 sortieren, im Gegenteil! Es nimmt auf einem Tisch kaum Platz weg, was es mit ein wenig Geschick sogar im Zug spielbar macht. Und es entwickelt einen regelrechten Suchtfaktor, da man schnell vom Ehrgeiz gepackt wird. Es muss doch möglich sein, über Level 9 zu kommen! Was zu Beginn fast absurd klingt, nämlich ein Spiel zu spielen, bei dem es um das Lesen der Gedanken des Gegenübers geht, wird zum amüsanten Austesten der eigenen Empathie und der gemeinsamen Risikobereitschaft. Das Spielprinzip ist in dieser Form neu, fühlt sich gut an und macht Spaß. Aufgrund der Kartenbeschriftungen, der Spielkartengestaltung und des Rollenspielaspekts daran, würden wir ‚The Mind’ für den vollen Genuss eher ab zehn Jahren empfehlen. Rein vom Spielmechanismus her, ist es aber auch schon für Jüngere leicht spielbar, bei denen es dann vermutlich eher auf rein glückslastiges Raten hinausläuft. Wer Spaß an ungewöhnlichen Konzepten hat, die den Wettkampfgedanken zugunsten einer Spielidee vernachlässigen, ist mit ‚The Mind’ gut beraten. Wir sind jedenfalls restlos begeistert, haben es schon unzählige Male gespielt, es inzwischen sogar schon auf dem Frühstückstisch liegen, und hoffen, dass es den Sprung in die Spiel-des-Jahres-Nominierungslisten schafft. [Britta]