Dragon Castle

Autoren: Cinyee Chiu, Hjalmar Hach, Lorenzo Silva und Luca Ricci

Genre: Familienspiel und Legespiel

Verlag: Horrible Games

ab 8 Jahren

EAN 45 Min.

für 2 - 4 Spieler

Leihgebühr 3 €

 

Der Grundgedanke
‚Dragon Castle’ ist ein Sammel- und Legespiel, bei dem es darum geht, aus den verlassenen Ruinen des alten Drachentempels Bausteine zu entnehmen, um einen möglichst eindrucksvollen neuen Tempel zu errichten, dem die Drachengötter dann ihr Wohlwollen schenken. Und da jeder Mitspieler an seinem eigenen Bauwerk arbeitet, steht man natürlich in direkter Konkurrenz zueinander in dem Bemühen, an die kostbareren Steine oder Steinkombinationen zu gelangen. Der Mechanismus dabei ist denkbar einfach und erinnert nicht ohne Grund stark an den Klassiker ‚Mahjong’, den vermutlich jeder irgendwann mal wenigstens am PC gespielt hat.

Die Auslage in der Mitte stellt den Ruinentempel dar, von dem man sich bedienen darf. Die Steine sind unsortiert aufeinander geschichtet, mit den Bildseiten zu oberst. Sie orientieren sich bei diesem Aufbau an dem vorgegebenen Grundriss des Spielplans und erreichen drei Ebenen. 
Gespielt wird reihum. Wenn ich am Zug bin, habe ich mindestens vier Optionen zur Wahl, weitere können durch Zusatzkarten ins Spiel gebracht werden.

Das Spiel endet, wenn die Auswahl der Bausteine in der untersten Ebene so dürftig geworden ist, dass weder eine Paarbildung über die Symbole mehr möglich ist, noch das Aufnehmen einzelner Steine mehr sinnvoll erscheint, weil beispielsweise selbst damit kein Fertigstellen eigener Wertungsflächen erreicht werden kann. Dann greifen die Mitspieler nacheinander zu den Spielfeldrand-Drachen (siehe Spielzug-Option 4), woraufhin die Endwertung erfolgt. Dabei werden die Pagodentürme, entsprechend ihrer Höhen, gewertet und die gesammelten Siegpunktplättchen ausgezählt.

Option 1
Der normale Spielzug besteht darin, mir zwei identische Symbole aus der Auslage zu nehmen, um diese meinem eigenen Tableau hinzuzufügen. Dabei gibt es allerdings bestimmte Grundregeln.
Den ersten Stein meiner Wahl muss ich aus der obersten Ebene wählen. Den zweiten kann ich dann einer darunter liegenden Ebene entnehmen. Beide Steine müssen frei zugänglich sein, das heißt, sie müssen an mindestens einer Längsseite hindernisfrei aus dem Aufbau gezogen werden können. Ich muss sie sofort darauf auf meinem Tableau verbauen. Dabei brauche ich keine identischen Symbole nebeneinander abzulegen – hier zählen nur noch generell die Farben der Steine. Ab einer Anzahl von vier Steinen einer Farbe, die waagerecht oder senkrecht aneinander anliegen (egal auf welcher Ebene), wird automatisch gewertet. Dazu wird die Anzahl der Kombination ermittelt und mit der Wertungsliste verglichen, ein entsprechendes Wertungsplättchen wird als Siegpunkt aus dem Vorrat genommen. Die gewerteten Bausteine werden umgedreht, so dass nur noch deren weiße Seite nach oben zeigt. Habe ich mir einen Dächervorrat erwirtschaftet, so darf ich, je nach Wichtigkeit der gesammelten Symbole, bis zu zwei Dächer aus meinem persönlichen Vorrat nehmen und mein Bauwerk damit auf einem der soeben gewerteten Steinen krönen. Etagen mit Dach ergeben in der Endwertung mehr Siegpunkte.

Option 2
Ich entscheide mich dafür, mir nur einen Symbolstein von der obersten Ebene zu nehmen und den zweiten zustehenden sozusagen verfallen zu lassen und mir stattdessen ein Pagodendach aus dem Vorrat zu nehmen und es, für den späteren Gebrauch, in meinen persönlichen Vorrat hinüber zu schieben. Das kann schlau sein, weil manchmal auch eher überraschend Wertungen nötig werden können, insofern man andere Steine verbauen muss, als ursprünglich ersehnt und man diese Flächen dann möglichst schnell wieder loswerden will, damit sie keine größeren Wertungsflächen blockieren.

Option 3
Ich entscheide mich dafür, einen Stein der Auslage zu entwerten und komplett aus dem Spiel zu nehmen. Dafür nehme ich mir sofort einen Siegpunkt aus dem Vorrat.

Option 4
Ich entscheide mich dafür, die Auslage vollständig zu ignorieren und stattdessen einen der Drachen vom Feldrand zu nehmen, um meine Siegpunkte direkt zu erhöhen. Von diesen Spielfeldrand-Drachen gibt es allerdings nur eine extrem begrenzte Anzahl. Nehmen daraufhin auch die Mitspieler von ihnen, so wird unmittelbar das Spielende eingeläutet und eine vorzeitige Gesamtwertung erzwungen.

Variablen
Das Spiel enthält mehrere Grundspielpläne und zusätzliche Aufbau-Variablen, die im beiliegenden Regelheft aufgezeigt werden.
Außerdem gibt es für fortgeschrittene Spieler eine Auswahl an wunderschön gestalteten Zusatzkarten, die Sonderregeln ins Spiel bringen und den Anspruch an die Konzentration steigern. Beispielsweise gibt es Karten, die den Fokus der Endwertung etwas verschieben und damit Offensichtliches relativieren können, wenn am Ende nicht nur die Höhe der Pagodentürme zählt, sondern beispielsweise auch deren Standort.

Der Reiz an ‚Dragon Castle’ liegt somit eindeutig in den strategischen Möglichkeiten. Natürlich kann ich einfach vor mich hinspielen und schöne Dinge sammeln. Interessanter wird das Ganze aber, wenn ich von Anfang an einige Spielzüge vorauszuplanen versuche, um an bestimmte Symbole der Auslage vor meinem Mitspieler heranzukommen. Um möglichst große Wertungsflächen zu schaffen, indem ich wortwörtlich über Eck denke und auf meinem Tableau Lücken baue. Um auf Unvorhergesehenes ohne Punkteverlust reagieren zu können, indem ich genug Pagodendächer in meinem Vorrat ansammele. Und so weiter.

Eine Runde dauert etwa 30 bis 45 Minuten. Die Regeln sind sehr leicht und nur wenige, erst recht, wenn man zu Beginn ohne Sonderkarten spielt, wodurch man sofort loslegen und auch mit Jüngeren gut spielen kann. Die Gestaltung des Spielmaterials ist wunderschön, so dass man immer wieder gerne danach greift. Die Spielsteine liegen angenehm in der Hand, sie sind abgerundet und nicht nur in kräftigen Farben bedruckt, sondern sogar geprägt. Eine kunstvolle Graphik mit Ton-in-Ton-Tuschezeichnungen setzt das asiatische Setting stimmungsvoll um. Die mystische Motivik, unter anderem mit Drachen und Tiger, unterstreicht das Thema.

Das einzige Manko an ‚Dragon Castle’ ist seinem Aufbau geschuldet und wohl kaum besser zu lösen. Da die Steine sowohl in der gemeinsamen Auslage, als auch auf dem eigenen Tableau geschichtet aufeinander liegen, ist es etwas frickelig, die Steine herauszuziehen bzw. sie hinzuzufügen oder bei den Wertungen zu wenden, ohne dass man gleich alles umstößt was direkt drum herum liegt. Da ist Fingerspitzengefühl und Geduld gefragt. Für den normalen Durchschnittsspieler ist das kein Problem, es sollte aber berücksichtigt werden, wenn man eigentlich ein Spiel für ein sehr aktives Kind oder einen taktil eingeschränkten älteren Menschen sucht. 
Man könnte noch anmerken, dass die Spielpläne und Tableaus gerne einen Ticken fester hergestellt hätten werden können, da sie sich leicht hochbiegen, wenn sie ungünstig gelagert werden, was schnell dazu führen kann, dass man an deren Ecken stößt und damit zusätzlich gegen den Aufbau ruckelt. Aber auch hier… kein echter Hinderungsgrund, um Spaß an dem Spiel zu haben.

‚Dragon Castle’ kann jedem empfohlen werden, der Spaß an Taktik und sich langsam steigerndem Konkurrenzdruck hat, für den ein gutes Brettspiel aber nicht gleich einen halben Abend dauern muss. Ein sehr schönes Spiel für zwischendurch. [Britta]