AZUL

Autor: Michael Kiesling

Genre: Brettspiel, Legespiel und Taktik

Verlage: Pegasus und PlanB

ab 8 Jahren

für 2 - 4 Spieler

Leihgebühr 4 €

Bei manchen Spielen macht allein schon die Verpackung neugierig und genau dies gelingt ‚Azul‘: Wir blicken auf ein Ajuleos-Mosaik (portugiesische Fliesen). Und genau darum geht es im Spiel: Wir sollen einen Palast mit eben jenen Fliesen schmücken. Eine Aufgabe, die wir Spieler natürlich gerne übernehmen und zwar durch das eher abstrakte Verbauen der Fliesen auf unserer Spielertafel! Man möchte viele Steine in der passenden Farbe bekommen. Aber besser nicht zu viele, denn dann drohen Minuspunkte. ‚Azul‘ wartet mit einem schlanken Regelwerk auf, der Mechanismus ist schnell gelernt und die Spielzüge gerade gegen Rundenende immer spannender.

Je nach Spieleranzahl liegen fünf bis neun kreisrunde Manufakturen aus, auf denen zu Spielbeginn je vier Fliesen blind aus dem Stoffbeutel gezogen und platziert werden. Jeder Spieler nennt zudem eine eigene Spielertafel sein Eigen, die sowohl als Fliesen-Legefläche genutzt wird, als auch zum Punktezählen.

Wer am Zug ist, nimmt sich schlichtweg alle Fliesen einer Farbe von einer Manufaktur seiner Wahl. Die übrig gebliebenen Fliesen werden in die Tischmitte geschoben. Die so erworbenen Fliesen legt der aktive Spieler in exakt eine der fünf linken Reihen auf seiner Spieltafel ab, dem „Sammelbereich“. Diese Reihen sind unterschiedlich lang. Man muss eine Reihe nicht sofort vollständig füllen, muss aber etwaige überzählige Fliesen in der unteren Minuspunkteleiste ablegen, was natürlich möglichst vermieden wird. In den folgenden Spielrunden können so begonnene Reihen fortgeführt werden, solange das Konzept der Einfarbigkeit pro Reihe gewahrt bleibt. Wichtig ist, dass die Farbe, die ich auf diese Art links sammele, im rechten Bereich in der gleichen Zeile noch frei ist!

Die Auswahl in den Manufakturen behagt nicht? Dann darf man sich im eigenen Zug auch aus der Tischmitte bedienen, muss jedoch auch hier die Manufaktur-Regel anwenden und alle Fliesen einer Farbe auflesen. Für den ersten Spieler, der dies tut, gibt es zusätzlich den Startspielermarker, der jedoch einen Minuspunkt bedeutet.

Wurden alle Fliesen verteilt, endet die aktuelle Runde. Die Spieler überprüfen nun von oben nach unten Ihre „Sammelreihen“. Von jeder komplett gefüllten Reihe wandert der vorderste Stein auf unser „Fliesenmosaik“ auf der rechten Spieltafelseite. Und zwar genau auf die passende Farbe. Die restlichen Steine der linken Reihe werden dann aus dem Spiel genommen. Die Wertung der so gekachelten Fliesen ist übersichtlich gestaltet, es gibt sogar auf der Spielertafel eine Erinnerungshilfe. Wichtig ist, Fliesen möglichst „verbunden“ zu legen.

Das Spiel endet, wenn ein Spieler eine waagerechte Reihe seiner Fliesenwand vollständig gefüllt hat. In der Endwertung bringen diese Reihen nochmals Bonuspunkte. Es gewinnt der Spieler mit dem höchsten Punktewert.

‚Azul‘ ist ein wunderbares Familienspiel. Wer Spiele wie ‚Qwirkle‘ schätzt, sollte bei ‚Azul‘ zugreifen. Für mich ist ‚Azul‘ auch ein starker Kandidat für die Nominierungsliste „Spiel des Jahres 2018“. Warum? Da ist zum einen das Spielmaterial. Die Kunststoffsteine fassen sich gut an und sind den Azulejos-Fliesen nachempfunden. Die Regeln sind gradlinig und verzichten auf Sonderplättchen oder Zusatzgimmicks. Sie lassen sich fix erklären und prägen sich auch Spiele-Unbedarften schnell ein. Die Grundsätzliche Frage ist immer: Kacheln nehmen – aber von wo und in welcher Farbe? Mein  einziger Kritikpunkt wäre, dass sich der Wertungsstein auf der eigenen Spieltafel versehentlich verschieben lässt. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Mit ‚Azul‘ darf jederzeit wieder auf meinem Spieletisch gekachelt werden, was der Putz hält.