Jungsbücher

Jungs lesen nicht?

Eine der häufigsten Fragen, die uns von Eltern gestellt wird, lautet: “Mein Sohn liest nicht. Haben Sie da eine Idee?” Man könnte meinen, dass nur Mädels begeistert in Buchwelten versinken und Jungs keinen Zugang zum gedruckten Wort haben. Aber stimmt das denn?

Jungs lesen einfach anders!

Mit spannenden Geschichten kann man bei Jungs die Begeisterung für’s Lesen wecken! Ein positiver Nebeneffekt ist dabei die Verbesserung der Lesefertigkeiten, was wiederum auch in Umgang mit elektronischen Medien aber auch für das Textverständnis im Unterricht wichtig ist.

Offenbar sind Jungs aber tatsächlich schwerer zum Lesen zu motivieren als Mädchen, so klischeehaft das auch klingen mag. Mehrere wissenschaftliche Untersuchungen haben inzwischen gezeigt, dass allgemein gesagt die Sprach-, Lese- und Schreibkompetenz bei Jungen deutlich schwächer ausgeprägt ist als bei gleichaltrigen Mädchen. Seit der ersten Pisa-Studie aus dem Jahr 2000 wird das Ganze regelmäßig bestätigt: 80% aller Schüler mit Lese-Rechtschreib-Schwäche sind demnach männliche Jugendliche. Diese sogenannte „Gender-Gap“ in der Lesekompetenz zu schließen, scheint bislang nicht gelungen zu sein. *

 

Das richtige Buch finden – Wie geht das?

Bei der Suche nach dem richtigen Buch hilft oft die Hände-Regel bzw. Fünfer-Regel weiter.

1) 1×5: Das Kind (egal ob Junge oder Mädchen) liest sich die erste Seite eines interessant wirkenden Buches durch. Dabei werden alle Wörter mitgezählt, die unbekannt sind. Sollten es mehr als fünf sein (also “eine Hand voll”), dann ist das Buch für das aktuelle Leseniveau des Kindes eher nicht geeignet.

2) 2×5: Wenn das Leseniveau passt, können bis zu 10 Seiten (also zwei Hände) in das Buch reingelesen werden. Überzeugt das Buch auf diesen ersten 10 Seiten nicht, was den Spannungsbogen, die Figuren oder die Handlung angeht, dann wird es einfach wieder zur Seite gelegt. Es gibt so viele tolle, spannende Bücher zur Auswahl, da muss man sich nicht mit langweiligen Geschichten quälen.

3) 3×5: Lest am Tag 15 Seiten (“drei Hände”) aus einem Buch. Gemeinsam, abwechselnd, laut oder leise. Das trainiert das Lesen und ist eine schöne gemeinsam verbrachte Zeit.

 

 

Was sind denn nun gute Jungsbücher?

Es darf actiongeladen sein! Und manchmal auch politisch unkorrekt, witzig, absurd. Gerade humorvolle Bücher sprechen Jungs oft an.


Hobbies gehen immer – Das “Interessenbuch”

Genau wie die Mädels möchten auch Jungs in Geschichten, die sie lesen, ihre eigenen Hobbies und Interessen wiederfinden. Wichtig ist also immer der direkte Bezug zu Themenvorlieben des Kindes: Sport, Ritter, Weltraum – auch wenn es nach einem Klischee klingen mag, sind dies oft Themen, die Jungs ansprechen.
Vielleicht lässt sich passend zum gewählten Buch noch ein Museumsbesuch, ein Fußball spiel im Stadion oder ein Besuch auf dem Mittelaltermarkt anschließen? Da werden gedruckte Geschichten doch gleich viel anschaulicher gemacht!

Schlau gelesen – Das Sachbuch
Inzwischen gibt es viele Sachbuchreihen, die eine ansprechende Kombination von Text und Grafiken, Fotos, Tabellen und übersichtlichen Schaubildern bieten. Die “Was ist Was”-Reihe wurde gerade überarbeitet und hat ein tolles Text-Bild-Verhältnis bekommen, das Jungs anspricht.
Gerade auch kuriose und spezielle Daten und Fakten interessieren! Das schnellste Tier? Die größte je gebaute Pyramide? Die giftigste Spinne? Alles was rekordverdächtig ist, lockt zum lesen. Im Sachbuch sind die Textabschnitte oft überschaubar kurz und werden so zum lockeren Lesespaß. Es kann geblättert, übersprungen und gestöbert werden, ohne das dadurch ein stringenter Erzählfluss, wie im Roman, unterbrochen wird.

Gamer-Lektüre und Film-Fan-Bücher
Auch zu vielen Computerspielen oder Filmen gibt es inzwischen Bücher! Egal ob Star Wars, Lego oder Minecraft – viele Bücher, die sich explizit auf die Spiel- und Filmvorlieben von Kindern beziehen, kommen gut an. Das mag nicht die hohe Literatur sein, die sich Eltern wünschen, aber diese Bücher machen Spaß und motivieren zum weiterlesen! Das Credo sollte hier lauten: Es ist nicht (ganz) so wichtig, was gelesen wird, sondern dass gelesen wird!

Superhelden – immer da, wenn man sie braucht
Inzwischen gibt es im Erstlesebereich viele Bücher, die bekannte Superhelden als Hauptfiguren haben: Batman und Superman trotzen in diesen bunt und zum Teil comichaft aufgemachten Büchern ihren Erzfeinden und retten die Welt. Hier stimmt das Thema, mit der Buchlektüre lässt sich vielleicht sogar ein DVD-Abend verbinden.

Bunte Bildchen – Der Comic
Eine tolle Möglichkeit, die “Lese-Hemmschwelle” abzubauen, kann der Griff zum Comic sein. Da im Comic der Textfluss immer von Bildern unterbrochen wird, die gleichzeitig die Geschichte weitererzählen, lässt sich relativ einfach mit dem Lesen beginnen. Die Comic-Bilder sind dabei absolutes “Kopfkino”. Auch die Kombination aus Roman und Comic, wie sie spätestens seit “Gregs Tagebuch” in fast jedem Kinderzimmer zu finden sind, machen Spaß! Tolle Comic-Reihen für Lesemuffel findet ihr weiter unten.

 

Was ist noch wichtig?

Lesevorbilder
Die eigene Begeisterung für das Lesen, kann tatsächlich abfärben. Wer seine Eltern häufig beim Lesen sieht, vorgelesen bekommt, über Gelesenes sprechen und diskutieren kann, entwickelt einen ganz anderen Zugang zum Buch. Für Jungs sind dabei auch männliche Lese-Vorbilder wichtig.

Gemeinsam – nicht einsam
Es genügt nicht, seinem Kind einfach ein Buch in die Hand zu drücken und mit der Aufforderung “Lies das durch!” allein zu lassen. Lesen sie gemeinsam, abwechselnd und laut vor! Dies können auch die aktuellen Sportnachrichten aus der Tageszeitung sein, wenn es Leser und Zuhörer gleichermaßen interessiert gibt es gleich Gesprächsstoff dazu. 🙂

*http://www.bildungsserver.de/innovationsportal/bildungplus.html?artid=355


Unsere Buchtipps für Lesemuffel

Ab 7/8 Jahren

 

Ab 9 Jahren

 

 

 

 

Ab 10 Jahren

 

Ab 12 Jahren

 

 

 Ab 14 Jahren

 

 

 

Sachbücher

 

Comics ab 8/9 Jahren