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Wunder

Autor: Raquel J. Palacio

Genre: Belletristik und Jugendbuch

Verlag: Hanser Verlag

Preis: 16.90 € €

ab 10 Jahren

ISBN 978-3-446-24175-6

Bücher mit ‚Problemthemen‘ sind immer so eine Sache. Meistens merkt die anvisierte Zielgruppe der jungen Leser sehr schnell, dass sich hinter den Buchstaben pädagogische Absichten verbergen und greift nicht freiwillig zum entsprechenden Buch. Bei Wunder lohnt es sich dennoch, einen Blick zu riskieren!

August Pullman wurde mit einem seltenen Gen-Defekt geboren, der sein Gesicht missgestaltet hat; August selbst nennt es „zermatscht“. Er weiß um sein Anderssein, wird er doch immer angestarrt oder gemieden. Da er sich als kleines Kind schon vielen Operationen unterziehen musste, wurde er bisher von seiner Mutter zu Hause unterrichtet. Zu seiner Freude, denn je seltener er Kontakt mit fremden Menschen hat, desto wohler fühlt er sich. Doch nun beschließen seine Eltern, dass es Zeit für August wird, an eine richtige Schule zu gehen. August schwankt zwischen Angst und Begeisterung. Er möchte ja gerne ein normales Leben führen, Freunde finden, zur Schule gehen. Aber sein Gesicht macht ihm in vielerlei Hinsicht Sorgen. So wird Augusts Schulbesuch nicht leicht für ihn. Es greift ihn zwar zunächst niemand direkt an, niemand lacht offen über seine Entstelltheit aber natürlich merkt August schnell, dass über ihn geredet wird und die anderen Kinder sehr verstört auf ihn reagieren. Alle, bis auf Jack und Summer.

Wunder ist aus mehreren Perspektiven geschrieben. Vor allem sehen wir als Leser die Welt natürlich durch Augusts Augen, der sein Leben mit der neuen Schulsituation beschreibt. Doch auch seine ältere Schwester Olivia kommt zu Wort, die ihre ganz eigenen Probleme hat und unter der Familiensituation leidet. Denn es ist nicht immer einfach, Schwester eines Jungen zu sein, der anders ist. Neben Olivia kommen Augusts neue Freunde zu Wort, die dem Ganzen noch interessante Wendungen verleihen. Der Perspektivwechsel zeigt ganz deutlich, wie schwierig das Thema „nicht normal sein“ in unserer Gesellschaft  ist, wo Super-Model-Shows das Fernsehen beherrschen und körperliche „Unebenheiten“ mit schnellen Schönheitsoperationen geglättet werden sollen.

Wunder ist ein Jugendbuch, das hauptsächlich aus der Sicht eines 10-Jährigen geschrieben ist. Eigentlich! Denn eigentlich ist es ein Buch für alle Leser, egal ob jung oder alt. Es geht um Außenseiter und regt zum Nachdenken an. Wie würde ich mich in dieser Situation verhalten? Wäre ich erschrocken, wenn ich mit Augusts Aussehen konfrontiert würde?

Einziger Kritikpunkt war für mich ein eher handwerklicher. Im Roman wird von mehreren Figuren betont, wie ‚nett‘ August sei. Man lernt als Leser aber in erster Linie einen schüchternen Jungen kennen, der sich kaum traut, mit anderen zu sprechen und sich in sich selbst zurückzieht.  Hier wird eine Charaktereigenschaft behauptet, die man als Leser nicht zu sehen bekommt.

Nachdem im letzten Jahr John Green mit Das Schicksal ist ein mieser Verräter die Messlatte für Bücher mit Problemthemen sehr hoch angelegt hat, werden fast alle Bücher mit ähnlichen Themen damit verglichen. Wunder kann zwar, da John Green zu meinen absoluten Favoriten gehört, das Schicksal nicht überbieten, ist jedoch ein gelungener Roman, der ein Tabu-Thema gekonnt in den Mittelpunkt rückt. [Mercedes]

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