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Wie Wölfe im Winter

Autor: Tyrell Johnson

Genre: Dystopie

Verlag: Harper Collins Verlag

ISBN 978-3-95967-132-3

Sieben Jahre ist es her, dass sich die Welt vollständig verändert hat. Ein Großteil der Menschheit wurde durch eine Grippe ausgelöscht, etliche Kriege taten ihr Übriges, um die Menschheit an den Rand des Untergangs zu bringen. Seit dieser Zeit bestimmen Kälte, Eis und Schnee das Leben der inzwischen 23-jährigen Lynn. Noch in der alten Welt aufgewachsen, sieht sie sich nun, als junge Erwachsene, mit den widrigsten Lebensumständen  konfrontiert. Von ihrem mittlerweile verstorbenen Vater hat sie gelernt, in der Wildnis zu überleben und vor allem, mit Pfeil und Bogen umzugehen. Eine unschätzbare Fähigkeit, denn nach dessen Tod ist sie zusammen mit ihrem Bruder, ihrer Mutter, dem Onkel und dessen Ziehsohn in den Yukon ausgewandert. In dieser kargen Umgebung gibt es kaum genug zum Überleben, doch die Familie hat Genügsamkeit gelernt. Andere Siedler gibt es kaum, der Kontakt zur Außenwelt war jahrelang inexistent. Bei der Jagd trifft Lynn nun auf einen seltsamen Mann, der sich Jax nennt und einen Hund dabei hat. Tiere sind, außer als Milch- und Fleischlieferanten, in Menschennähe selten geworden. Da Jax verletzt ist, nimmt Lynn ihn mit nach Hause. Eine gefährliche Entscheidung, denn die Grippe ist noch immer nicht ausgerottet. Und Jax wird verfolgt, bringt damit alle, die ihm helfen, in große Gefahr.

Das Grundszenario von ‚Wie Wölfe im Winter‘ ist erschreckend realistisch: eine aggressive Grippe, ein dritter Weltkrieg, Naturkatastrophen – man braucht nicht viel Fantasie, um sich Johnsons dystopisches Setting vorstellen zu können. Und gerade das hat für mich die stärke und Faszination des Romans ausgemacht. Es ist kein Kann-Uns-Doch-Nicht-Passieren, sondern, ähnlich wie in ‚Das Licht der letzten Tage’, ein Was-Wäre-Wenn.

Mir haben die Charaktere des Romans gut gefallen, sie waren alle durchdacht und nachvollziehbar. Da Lynn und ihr Onkel als Ernährer auf die Jagd gehen müssen, damit die Familie nicht hungert, wird das entbehrungsreiche Leben gerade zu Beginn sehr plastisch geschildert. Auch das Auftauchen des „Fremden“ ist schlüssig – und bringt den Leser einen Schritt näher an das Rätsel um die mysteriöse Grippe. Die Story beginnt ruhig, nimmt sich Zeit für die Protagonisten und eine Status-Quo-Beschreibung. Mit dem Auftauchen von Jax steigt das Tempo dann rasant an und wird zu einer atemlosen Jagd – nach Antworten und der Wahrheit. Und nach der Hoffnung auf Überleben.

Für Fans von realistisch gezeichneten Dystopien ist ‚Wie Wölfe im Winter’ eine klare Empfehlung. [Mercedes]

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