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Unsterblich

Autor: Jens Lubbadeh

Genre: Krimi, Science Fiction und Thriller

Verlag: Heyne Verlag

Preis: 14,99 € €

ISBN 978-3-453-31731-4

Im Jahr 2044 wird es möglich sein, den Traum des ewigen Lebens zu verwirklichen. Der Konzern Immortal hat eine flächendeckende Verbreitung der Virtual Reality Implantate durchgesetzt. Durch diese ist es möglich, das Erleben der realen Welt konsequent mit dem der virtuellen Realität zu verknüpfen. Eine parallele, gleichberechtigte „Realität“ existiert. Und in dieser aufersteht man nach dem Tod als selbst agierender Hologramm-Datensatz. Als realer Mensch kann man mit diesen ‚Ewigen’ interagieren. Sie verhalten sich, wie die Verstorbenen es zu Lebzeiten getan hätten – mit all ihren Ansichten, Marotten und Eigenheiten. Nur ein Berühren dieses Datenstromes ist logischerweise nicht möglich. Gesteuert wird die Parallelwahrnehmung durch technisch hochentwickelte Datentracker, die jeden Herzschlag, jede Bewegung, jedes Wort ihres Trägers aufzeichnen und ihn somit zum gläsernen Menschen machen. Während Immortal für sein Unsterblichkeits-Programm hoch gefeiert wird, gibt es nur wenige Gegner des vermeintlich ewigen Lebens.

Auch berühmte Filmstars und Politiker des vergangen Jahrhunderts werden „wiedererweckt“, darunter so illustre Größen wie John F. Kennedy und Marlene Dietrich. Als die Dietrich, bzw. deren ‚Ewige’, eines Tages verschwindet, ist das ein gefundenes Fressen für die Unsterblichkeits-Kritiker. Denn eigentlich ist das „Sterben“ eines ‚Ewigen’ unmöglich! Was steckt hinter diesem Verschwinden? Ein PR-Gag? Ein Programmierfehler? Wer hat ihr Verschwinden zu verantworten? Der Versicherungsagent Benjamin Kari, ein großer Filmfan, wird auf die Aufklärung des Falls angesetzt. Er war es, der Marlene Dietrichs ‚Ewige’ im Namen seiner Firma offiziell „lizensiert“ hatte, da er sich mit Leben und Werk der Diva umfassend auskannte. Kari ermittelt und stößt dabei auf Unglaubliches.

Jens Lubbadeh ist Wissenschaftsjournalist und legt mit ‚Unsterblich’ nun seinen ersten Roman vor, der mich voll und ganz überzeugt hat. Sein Szenario der ‚Ewigen’ ist tiefgehend durchdacht und stellt für mich ein nicht nur denkbares, sondern sogar mögliches Szenario dar. Immer wenn beim Lesen der Gedanke aufkam: „Ist das technisch möglich? Das müsste erklärt werden.“, folgte nach kurzer Zeit eine für mich glaubwürdige Erläuterung.
Der Roman baut seinen Spannungsbogen zwar langsam auf, wartet dann jedoch mit großartigen Wendungen und spannenden Ideen auf. Gerade zum Ende hin steigern sich Action und Intrigen noch mal immens. Kari ist als Charakter am vielschichtigsten ausgearbeitet und seine loyale Grundhaltung dem Arbeitgeber gegenüber, die nach und nach ins Wanken gerät, war gut nachvollziehbar. Mit Eva Lombard, der Journalistin, die keinen Tracker trägt und der es gelingt, Benjamin die Augen zu öffnen, kommt eine weitere überzeugende Figur dazu. Anspielungen auf zeitgenössische Künstler, Musik und Kultur haben beim Lesen viel Spaß gemacht. Lubbadeh lädt zum Nachdenken ein und stößt viele Fragen an, beginnend bei der Frage nach Glaube und Gott, wenn doch Wiederauferstehung virtuell möglich ist, bis hin zu dem Gedanken, ob diese Ewigen ein eigenes Bewusstsein entwickeln können oder nicht viel mehr auf immer im Status Quo ihrer Wiedergeburt verhaftet sind. Code oder Seele – das ist hier die Frage! Und ist es wirklich schlau, einem Megakonzern die eigenen Lebensdaten zu überlassen, wenn nicht einmal klar ist, in wieweit diese Daten manipuliert werden können?
Dieser SciFi-Roman gehört zu den besten Büchern, die ich in diesem Jahr gelesen habe. Eine ungewöhnliche Krimistory mit einem beängstigend realistischen Was-wäre-wenn-Szenario. Dank perfektionierter Virtual-Reality-Welten scheint der Tod überwunden zu sein. Zumindest proklamieren dies die herrschenden Technikkonzerne. Die Hybris unserer digitalen Epoche wird in ‚Unsterblich’ wunderbar pointiert dargestellt. ‚Unsterblich’ ist eine gelungene Mischung aus Science Fiction und Thriller. Lesen!

[Mercedes]

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