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The Bone-Season. Die Träumerin

Autor: Samantha Shannon

Genre: Dystopie und Fantasy

Verlag: Berlin Verlag

Preis: 9,99 € €

ISBN 978-3-8333-0932-8

England im Jahr 2059. London ist zur Zitadelle von Scion geworden, eines Regimes mit totalitärer Struktur, welches dem Widernatürlichen den Kampf angesagt hat. Hellsehen oder Zweitsicht wird als Krankheit geahndet und als große Bedrohung angesehen, paranormale Aktivitäten gelten als Hochverrat und werden hart bestraft. Aber auch für die „normalen“ Menschen ist das England der Zukunft ein düsterer Ort. Die Menschen leben unter ständiger Überwachung, Nachrichten werden zensiert, Bücher zerstört.

Paige Mahoney, die 19-jähringe Hauptfigur, lebt in dieser Welt und wirkt auf den ersten Blick wie ein ganz normaler Mensch, eben ein Amaurotiker. Aber Paige ist eine Seherin mit ganz besonderem Talent. Sie kann nicht nur fremde Auren erspüren, sondern auch ihren Geist von ihrem Körper lösen und sich in den Æther, der Traumlandschaft anderer, hacken. Paige ist eine Traumwandlerin und verkörpert damit eine äußerst seltene Begabung in der Sehergemeinschaft.
Im Londoner Untergrund (kurz „SciLo“ für Scion London) haben sich seit Jahrzehnten die Seher, die vom Regime abwertend als „Widernatürliche“ bezeichnet werden, ein kriminelles Syndikat aufgebaut, das vor allem „Denkdelikte“ begeht. Als Mitglied der Gang „Sieben Siegel“, die vom Denkerfürsten Jaxon Hall geleitet wird, steckt Paige mitten in diesen kriminellen Maschenschaften drin und weiß genau, wie sie unbemerkt von Scion leben und ihren Interessen nachgehen kann.

Doch dann kommt es zu einem Zwischenfall in der Londoner U-Bahn, der Paige als Seherin enttarnt. Sie wird gefangengenommen und in die Strafkolonie Sheol 1 überführt, die von den Rephaim beherrscht wird. Weder von den Rephaim, noch von Sheol hat Paige jemals gehört, denn dahinter verbirgt sich ein geheimer Ort, an den Seher gezielt gebracht werden, um dem fremden Volk der Rephaim durch ihre Seher-Gabe zu dienen. Das Leben in Sheol 1 lässt sich am ehesten als Sklaventum bezeichnen, denn die dort inhaftieren Seher haben so gut wie keine Rechte. Hatte Paige bisher gedacht, das Scion-Regime wäre ihr ärgster Feind, wird sie nun schnell eines Besseren belehrt. In Sheol wird der Rephaim Acturus zu ihrem Wächter ernannt, dessen Gedanken sie nicht erspüren kann.

Am Anfang musste ich mich als Leser an die ungewohnten Begriffe wie Amaurotiker (quasi „Muggle“), Traumlandschaft, Æther und Denkerfürst gewöhnen. Doch dankenswerterweise gibt es sowohl ein Glossar als auch eine Übersicht über die „Sieben Kasten der Hellseherei“. Samantha Shannon ist es gelungen, ihre Charaktere (ganz gleich, ob Amaurotiker, Rephaim oder Menschen) lebendig und glaubwürdig zu gestalten. Die meisten Figuren sind dabei tatsächlich schwer einer Seite zuzuordnen. Paiges Gefangenschaft in Sheol und ihr Verhältnis zu Acturus sind realistisch gezeichnet, denn Paige ist nicht naiv und schon gar nicht dumm, sondern eher eine Kämpferin. Die sich allerdings trotzdem mit der Gefühlswelt einer 19-Jähringen auseinandersetzen muss.

Samantha Shannon wurde mehrfach in der Presse als „die neue J.K. Rowling“ gepriesen. Der Vergleich hinkt, natürlich, da Rowlings Potter-Universum ganz andere Ansätze verfolgt und extrem liebevoll und detaillreich beschrieben wird. Shannons Stil ist schnörkelloser und richtet sich an eine Zielgruppe, die dystopische Fantasy oder SF mag. The Bone Season kommt düster und etwas mystisch daher und vermag mich dabei auf ganzer Linie zu überzeugen.  [Mercedes]

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