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Raising Steam

Autor: Terry Pratchett

Genre: Fantasy

Verlag: Random House UK

Preis: ca. 10,50 €

ISBN 978-0-552-17052-9

Mister Simnel liebt es, Kessel anzuheizen und Metall zu schmieden. Im Gegensatz zu seinem bei einer Heizkesselexplosion verstorbenen Vater hingegen, liebt er es mindestens genauso, bewaffnet mit Stift und Lineal Berechnungen anzustellen. Bald darauf trägt er nicht nur die Idee einer dampfbetriebenen Maschine in die größte Stadt der Scheibe, sondern bringt obendrein den Prototyp als Lokomotive mit, um sie interessierten Investoren vorzustellen.

Und das Zeitalter der Dampfkraft hält mit schrillem Pfeifen triumphalen Einzug in die Welt!

Zu früh, wie nicht Wenige denken! Und so entspannen sich quer über die Landesgrenzen hinweg politische Intrigen mit dem Ziel, die Magie der in den Kesseln vereinten Elemente zum Schweigen zu bringen. Notfalls mit Gewalt.

Raising Steam ist der neueste Roman des britischen Erfolgsautors, im Fantasy-Setting der Scheibenwelt. Mit dieser Geschichte knüpft Pratchett nahtlos an die Ereignisse aus Klonk und Snuff an, in denen sowohl die kulturgeschichtliche Entwicklung zwischen Zwergen und Trollen bereits deutlich mehr Tiefe erfuhr, als auch mit den Goblins eine vollständig neue und ehrgeizig aufstrebende Rasse etabliert wurde.

Wie nicht anders zu erwarten, lässt Lord Vetinari, der Patrizier, sich auch durch unerwartete zivilisatorische Entwicklungssprünge und den damit einhergehenden sozialen Umwälzungen nicht das Heft aus der Hand nehmen. Er setzt alle Hebel in Bewegung, um den Möglichkeiten zuvor zu kommen – und sein (mehr oder weniger freiwilliges) liebstes Werkzeug der Wahl ist Moist von Lipwig, der wieder einmal feststellt: Ein Leben ohne Risiko ist es nicht wert, gelebt zu werden!

Das erste Drittel des Buches ist ein steter Wechsel aus Szenen, in denen entweder von Lipwig oder der Patrizier mit messerscharfen Eingebungen die Geschichte vorantreiben. Herrlich! Im weiteren Verlauf findet Pratchett dann zu seiner üblicheren Perspektivnutzung zurück, wodurch die Geschichte noch mal an Tempo zulegt. Es tauchen mit lieb gewonnenen Charakteren, wie beispielsweise dem Kommandeur der Stadtwache Mumm oder Lady Margolotta in Überwald, ältere Figuren auf, denen endlich mal wieder echter Dialog und Einfluss zuerkannt wurde.
Beim Lesen fielen dennoch gewisse Längen auf. Ausführliche Beschreibungen von Landschaften entlang der Streckenabschnitte der Gleise, häufige Ausführungen zu den Zügen und immer wieder die Hinweise auf verstreichende Zeiträume zwischen den Ereignissen und Entwicklungen, zogen den Text teilweise ohne jeglichen Dialog in die Länge.

Für Scheibenwelt-Fans ist Raising Steam natürlich trotzdem ein absolutes Muss. Schon allein wegen der Veränderungen, die sich aus der Geschichte für das gesamte Setting ergeben! Einem Neueinsteiger in das Genre würde ich die Geschichte allerdings nur bedingt empfehlen. Nämlich dann, wenn es sich bei ihn um einen Eisenbahn-Liebhaber handelt, der sich auch vor unzähligen Anspielungen auf  vorangegangene Geschichten nicht fürchtet. [Britta]

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