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Meine Mutter

Autoren: Emile Bravo und Jean Regnaud

Genre: Comic, Graphic Novel und Kinderbuch

Verlag: Carlsen Verlag

Preis: 17.90 € €

ab 9 Jahren

ISBN 978-3-551-77790-4

Hier geht es zur Leseprobe.

Der Erstklässler Jean lebt gemeinsam mit seinem kleinen Bruder Paul, seinem Vater, der oft abwesend und meistens schlecht gelaunt ist, und seinem geliebten Kindermädchen Yvette zusammen. Nur seine Mutter lebt nicht bei der Familie, Jean hat an sie auch kaum Erinnerungen. Er ist aber fest davon überzeugt, dass sie als Sekretärin auf Reisen ist. Wohin sie reiste und warum die Reise so lange dauert, weiß er allerdings nicht. Was man selbst nach wenigen Seiten ahnt, wird bald Gewissheit. Als plötzlich die zwei Jahre ältere Michèle in die Nachbarschaft zieht und beginnt, Jean Postkarten vorzulesen, die von seiner Mutter stammen sollen und dem Jungen von den Reisen seiner Mutter erzählen, ist Jean begeistert. Und eine dieser Karten berichtet eben über ein Treffen von Jeans Mutter und Buffalo Bil….. Erstaunlicherweise erfährt nur Jean von diesen Karten, nicht seine Familie. Schnell ist dem Leser klar, dass Michèle die Karten selbst geschrieben hat. Abschiede fallen schwer, manchmal so schwer, dass man sie sich gar nicht eingestehen will. Alle Erwachsenen wissen Bescheid, doch keiner getraut sich, den beiden Söhnen die Wahrheit zu erzählen. In 14 Kapiteln wird authentisch das Leben des kleinen Jean in den 1970er Jahren gezeigt. Dabei kristallisieren sich drei Handlungsstränge heraus: Jeans Familienleben, die Welt der Schule und natürlich seine Wunschvorstellung, die tote Mutter sei lediglich auf einer Weltreise.

Die Graphic-Novel ‚Meine Mutter ist in Amerika und hat Buffalo Bill getroffen‘ spricht schwierige Themen an. Jeans Kindheit ist alles andere als eine Bilderbuchkindheit. Seine tote Mutter wird durch Kindermädchen ersetzt, die am Familienleben teilhaben. Sein Vater ist streng, leidet selbst unter dem Tod seiner Frau und hat wenig Einfühlungsvermögen. Auch in der Schule fühlt sich Jean nicht wohl, hat Angst davor, vom Schulpsychologen auf die Sonderschule geschickt zu werden.

Ein schöner Kunstgriff ist die Unterlegung der einzelnen Kapitel mit je einer eigenen Farbe. ‚Meine Mutter…‘ ist ein sehr einfühlsames Buch, dass die Themen Sehnsucht, Enttäuschung und Verdrängung glaubwürdig darstellt.
Ein Buch, das Eltern – zumindest am Anfang – mit Ihren Kindern gemeinsam lesen sollten, da Graphic-Novels für Kinder keinen ganz einfachen Zugang haben. ‚Meine Mutter‘ gewann 2010 den Deutschen Jugendliteraturpreis in der Sparte Kinderbuch. [Mercedes]

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