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Malala. Meine Geschichte

Autoren: Malala Yousafzai und Patricia McCormick

Genre: Biographie und Jugendbuch

Verlag: Fischer KJB

Preis: 12,99 € €

ab 12 Jahren

ISBN 978-3-596-85660-2

Malala Yousafzai wurde in diesem Jahr der Friedensnobelpreis für ihren selbstlosen Kampf um das Recht auf Bildung für Mädchen verliehen. Das Buch Malala. Meine Geschichte erzählt von den Dingen, die ihr auf diesem Weg zustießen. Sie selber hat ihre Erinnerungen darin niedergeschrieben, in Zusammenarbeit mit einer erfahrenen Autorin. So gesehen handelt es sich um eine Autobiographie für all jene, die mehr über diese jüngste Nobeltreisträgerin erfahren möchten, die es bisher gab.

Was macht diese Biographie so besonders? Zum einen die Person an sich, um die es geht. Malala beschreibt, wie sie in einem muslimischen Elternhaus voller Liebe und Zuneigung aufwuchs, in einer Familie, die Wert auf Gastfreundschaft, Gottesglauben und Bildung legte. Ihr Vater gründete eine Schule, sowohl für Jungen als auch für Mädchen, und ließ deren Tore selbst dann noch täglich öffnen, als die Todesdrohungen deswegen gegen ihn begannen. Malala zeigt in ihren Aufzeichnungen, was es bedeutet, zu einem mutigen Menschen heranzuwachsen. Dabei nimmt sie trotzdem eine demütige Haltung ein und betont immer wieder, wie selbstverständlich der Zugang zur Bildung eigentlich sein sollte, dass sie nichts Unrechtes in Anspruch nimmt. Die auferlegten Anweisungen und Verbote durch Hassprediger waren für sie unerträglich. Am deutlichsten wird das vielleicht in der Passage, in der sie erklärt, wie unmöglich für sie allein der Gedanke war, sich als Frau verschleiern zu sollen. Sie hätte diesen Vorgang als inneren Identitätsverlust empfunden. Und obwohl ihre Mutter sie zu ihrem eigenen Schutz zu Zugeständnissen drängen wollte, hat ihr Vater sie nie zu etwas gezwungen. Malala gab den Missständen inmitten eines aktiven Terrorregimes eine klare Stimme. Sie wandte sich an die Öffentlichkeit. Zuerst lokal, später international, mit Interviews – und einem (zu Beginn anonym gehaltenen) Aufsehen erregenden Blog zum Alltag von Mädchen, die trotz des religiös bedingten Verbotes weiter zur Schule gingen. So kam eines zum anderen, bis zu jenem Tag, an dem aus den Drohungen Realität wurde und Bewaffnete ihren Schulbus angriffen, um sie zum Schweigen zu bringen.

Zum anderen zeichnet diese Biographie aus, dass sie auf leichte Art verständlich macht, wie es dazu kommen kann, dass aus einer zivilisierten Kleinstadt eine Hochburg religiöser Fanatiker wird. Malala beschreibt detailliert das stete Anwachsen eines unguten Gefühls, das Umsichgreifen der Angst. Den Wechsel von Nachbarn, die an einem Tag noch freundlich auf dem Markt grüßen und einige Tage später schon jubelnd auf dem gleichen Platz dabei stehen, wenn unschuldige andere Nachbarn zu Tode gebracht werden. Sie definiert Terrorismus. Sie malt das Bild eines Kriegsausbruchs mitten zwischen den vertrauten Häusern ihrer Stadt, den Schulweg durch Leichen. Sie beschreibt, wie Widerstand aussieht und was dieser kostet. Und sie zeigt, dass es verschiedene Arten von Angst gibt. Dass man die eine bis in die Knochen spüren und zugleich zu Recht den Kopf hoch erheben und sagen kann, dass man keine habe.

Malalas Biographie ist spannend. Sie ist zutiefst bewegend. Und obendrein informativ. Sie beleuchtet geschichtliche und moralische Hintergründe zu einer Problematik, die noch immer Fahrt aufnimmt. Dieses Buch ist eine absolute Leseempfehlung für Erwachsene wie Kinder zugleich, denn so brutal die beschriebenen Zustände auch sind… es erklärt und zeigt Malalas Weg, damit umzugehen. Es führt uns in einer Intensität das Privileg der Bildung vor Augen, dass es den Begriff des „Strebers“ der Lächerlichkeit zuführt. Und auch wenn ihre Aufzeichnungen auf der letzten Seite vorerst enden, ihre Geschichte tut dies mitnichten. Es würde mich nicht wundern, wenn wir auch in Zukunft noch von dieser besonderen jungen Frau hören würden. [Britta]

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