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Inspektor Takeda und die Toten von Altona

Autor: Henrik Siebold

Genre: Krimi

Verlag: Aufbau Verlag

Preis: 9,99 € €

ISBN 978-3-7466-3213-1

Inspektor Takeda wird im Rahmen einer länderübergreifenden Zusammenarbeit verschiedener Polizeibehörden darum gebeten, für einige Zeit von Japan nach Deutschland überzusiedeln und dort in der Hamburger Mordkommission sein Wissen einzubringen. Da die persönlichen Umstände für ihn daheim schon länger etwas schwieriger sind und er in Folge dessen seine Standfestigkeit, was stark alkoholische Getränke angeht, etwas zu öffentlich unter Beweis gestellt hat, kommt ihm diese Fluchtmöglichkeit ganz recht.

Doch die Schwärmereien seines Vaters zu typisch deutschen Eigenheiten, wie Fleiß und Pünktlichkeit, bereiten ihn nicht auf die tatsächlichen Gegebenheiten vor Ort vor: kleinliche Verbote, die langsamen Mühlen der Bürokratie, ein ausgeprägter Hang des durchschnittlichen Deutschen zu einem Wochenende, an dem man keinesfalls mit beruflichen Angelegenheiten belästigt werden möchte, rassistische Vorurteile und ein deutlich selbstbewussteres Frauenbild, als es in Japan üblich ist, stürzen ihn anfänglich in schwere Verwirrung. Als dann auch noch ein Fall ansteht, bei dem das Urteil der neuen Kollegen seinen eigenen Instinkten vollständig widerspricht, beginnt der erfahrene Polizist an sich selbst zu zweifeln. Ist es überhaupt möglich, geschweige denn sinnvoll, die Erfahrungswerte einer grundsätzlich anderen Kultur zur Beurteilung bestimmter Geschehnisse heranzuziehen? Verhalten sich Menschen hier wie dort gleich, wenn ihnen ein und dieselbe Sache zustößt? Verfolgen sie ähnliche Ziele, hegen sie die gleichen Träume? Oder muss Takeda von Grund auf neu erlernen, worin er sich in den letzten Jahren als Profi wähnte?

Während die Geschichte sich mit Sachkenntnis in Hamburgs politische Vergangenheit eingräbt, legt sie Stück für Stück die sozialen Fehlentwicklungen der Brennpunktbezirke bloß. Zuwanderung und Rassismus, steigende Mieten und Grundstücksspekulationen, aufgegebene Hoffnungen und verkaufte Träume einer ganzen Generation… Takedas Neugier wird mit all dem auf einmal konfrontiert und trägt den Leser von einer Szene zur nächsten. Mit jeder neu offenbarten Facette seiner Persönlichkeit wird der japanische Inspektor sympathischer und wächst einem ans Herz. Die weibliche Ermittlerin, der er in diesem ersten Band zur Seite gestellt wird, ergänzt ihn schön, hat aber trotz ihrer eingebrachten Charaktertiefe Schwierigkeiten, mit der von ihm ausgehenden Faszination mitzuhalten. Ausgehend von einem tot aufgefundenen Ehepaar entfaltet sich ein Sittengemälde Hamburgs von so eindrücklicher Aktualität, dass man im Anschluss an die Lektüre gar ein klein wenig besser zu verstehen meint, was in unserem Land tagespolitisch so vor sich geht. Dem Autor ist mit diesem Krimi nicht weniger gelungen, als eine lebendige Momentaufnahme der deutschen Gesellschaft im Wandel. Die darüber hinaus ausgesprochen spannend daherkommt!

Eine logisch nachvollziehbare Storyline, ein sehr nahe verortetes Setting und eine treibende Hauptfigur, die mit dem Hauch demütiger Heldenhaftigkeit auftritt, der ihr ausgezeichnet steht – ‚Inspektor Takeda und die Toten von Altona’ ist ein auf allen Ebenen hervorragend aufgebautes und sehr unterhaltsames Debüt, dass ich jedem Krimileser nur wärmstens empfehlen kann. [Britta]

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