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Infernale

Autor: Sophie Jordan

Genre: Dystopie und Jugendbuch

Verlag: Loewe Verlag

Preis: 17,95 € €

ab 14 Jahren

ISBN 978-3-7855-8167-4

 

Machen uns unsere Gene zu Mördern? Der erste Band der ‚Infernale‘-Reihe konfrontiert den Leser mit der Frage, ob unsere DNA maßgeblich unser Leben vorherbestimmt.

Davy muss in der Schule einen in der nahen Zukunft gewöhnlichen DNA-Test machen lassen, um auf das sogenannte Mörder-Gen „Homicidal Tendency Syndrome“ (HTS) getestet zu werden. Als der Test positiv ausfällt, bricht Davys bis dahin eher sorgenfreies Leben rasend schnell zusammen. Der Schulwechsel in eine Sonderklasse für HTS-Träger ist nur der Anfang. Denn keinem Schüler kann es zugemutet werden, mit einem Mörder-Gen-Menschen in Kontakt zu kommen. Davys Freunde wenden sich irritierend schnell von ihr ab, die Beziehung zu ihrem festen Freund zerbricht. Während Davys Bruder weiter zu ihr hält, entfremdet sich Davy jedoch mehr und mehr von ihren Eltern. Davy, die als Vorzeigeschüler mit ausgeprochen musikalischer Begabung fast schon als Wunderkind galt, verliert alles, was ihr wichtig war. Ihre Zukunftspläne zerplatzen, das angestrebte Studium an einer Elite-Universität kommt nicht mehr in Frage.

Die im Roman vollzogene präventive Selektion potentiell gefährlicher Menschen von ihren Mitbürgern, erinnert stark an geschichtliche Ereignisse der 1930er Jahre. Zugunsten einer von einer Obrigkeit definierten wünschenswerten Gesellschaft werden alle Individuen mit Merkmalen, die vom vorgegebenen Ideal abweichen, aussortiert. Davy, die zunächst die Hauptfigur in ‚Infernale‘ ist, hat keine Möglichkeit, sich gegen das ihr widerfahrene Unrecht zur Wehr zu setzen. Jeder Versuch, weiter ein normales Leben zu führen, wird als Aufbegehren gegen das System interpretiert. Aus vormals besten Freunden werden Denunzianten. Mobbing ist an der Tagesordnung. Die Stigmatisierung wird formal durch äußere Kennzeichnung, wie eine am Hals sichtbare Tätowierung, auf die Spitze getrieben.

In der neuen Klasse, in die sie zwangsverwiesen wurde, trifft Davy auf weitere HTS-Träger und wird mit ihren eigenen Vorurteilen gegen die „Anderen“, von denen man in der Presse schon soviel Negatives gehört hatte, konfrontiert. Davy gehört nun selbst zu denen, die sie  verabscheut hat und beginnt, neue Freundschaften zu suchen. Davys Mitschülern und ihren Lebenswegen wird ebenfalls viel Erzählraum zugestanden, so dass für den Leser ein sehr differenziertes Bild über die HTS-Außenseiter entsteht. Die Charakterzeichnungen fallen erstaunlich realistisch aus – Davy entwickelt sich von der etwas verwöhnten Göre zu einem Menschen, der zunehmend an Stärke gewinnt und sich nicht unterkriegen lässt. Denn all die Dinge, die Davy nach der HTS-Diagnose erlebt hat, sind erst der Anfang einer sehr unheilvollen Entwicklung.

Autorin Sophie Jordan geht gekonnt der Frage nach, wie stark unsere Gene unseren freien Willen beeinflussen können. Der Roman kommt am Anfang etwas geruhsam daher und lässt sich Zeit damit, Davys Lebensumstände und den beginnenden Wandel aufzubauen. Natürlich fehlt auch die zu erwartende Liebesgeschichte nicht, denn Davy lernt in der neuen Klasse den faszinierenden Revoluzzer-Typ kennen, der sie fasziniert. Für mich hätte diese Lovestory etwas weniger Raum einnehmen können aber für die Zielgruppe ab 14 Jahren ist die Dosis vermutlich genau richtig.

Begeistert hat mich in ‚Infernale‘ nicht nur die Thematik, sondern auch die Zielstrebigkeit, mit der die Autorin das „Worst Case“-Szenario für die Protagonisten ansteuert. Der Plot ist zwar in der nahen Zukunft angesiedelt aber gar nicht mal so unwahrscheinlich. Vorverurteilungen von Menschen aufgrund ihrer geographischen oder kulturellen Herkunft sind immer noch üblich – in dieser Dystopie wird zu Ende gedacht, wohin Vorverurteilung führen kann. Ich warte mit Spannung auf den zweiten Band! [Mercedes]

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