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iBoy

Autor: Kevin Brooks

Genre: Jugendbuch

Verlag: dtv Verlag

Preis: 13.90 € €

ab 14 Jahren

ISBN 978-3-423-71538-6

Tom lebt mit seiner Großmutter in einem heruntergekommenen Wohngebiet. Die Hochhäuser und deren angrenzende Gebiete stehen stellvertretend für die beiden großen Gangs, die sich auf Kosten der Unbeteiligten hier permanent bekämpfen. Schlägereien sind an der Tagesordnung, ebenso wie Drogenhandel und Erpressung. Als Tom auf dem Heimweg zu der Wohnung der mit ihm befreundeten Lucy in den 30.-ten Stock hoch sieht, wird von dort mit höhnischem Gelächter etwas herunter geworfen. Das iPhone zerschmettert ihm den Schädel. Als er nach der Operation wieder zu sich kommt, übernimmt ein Teil der Reststücke gewisse Funktionen in seinem Gehirn. Er kann durch reine Willensanstrengung online gehen, in seinem Kopf Mails abrufen oder Telefonate anzapfen. Eine entsetzliche Fähigkeit, wie ihm bewusst wird, als er auf diese Weise ungewollt über einen Zeitungsartikel stolpert, in dem von der Mehrfachvergewaltigung Lucys berichtet wird, die an eben jenem Tag geschah, als ihm das Handy zugeworfen wurde. Tom findet schnell heraus, dass diese Tat als vorsorgliche Warnung an Lucys Bruder begangen wurde, sich nicht von der Blockgang loszusagen. Und er muss miterleben, wie die Anfeindungen dem Opfer gegenüber erbarmungslos weitergehen. Die Entscheidung ist schnell getroffen: Er wird Lucy verteidigen, ihr helfen, sich wieder aus der Wohnung heraus zu trauen. Doch welcher Weg ist dazu am besten geeignet, erst recht, wenn dieses Ansinnen alles andere als im Interesse der gewaltbereiten Mitbewohner des Hauses ist?

‚iBoy’ ist düster und grausam realitätsnah geschrieben. Der jugendliche Hauptcharakter ist sich völlig dessen bewusst, dass ihnen allen unter normalen Umständen nur die Flucht aus dem Einflussbereich oder völlige Resignation und Blindheit gegen die sie umgebende Gewalt bliebe. Während das Sittenporträt stets präsent bleibt, treten die Actionelemente der Geschichte in den Vordergrund. Tom wird zu iBoy, dessen Identität ihm einen Anflug von Gerechtigkeit und Rache ermöglicht. Bis das Blatt sich wendet, denn auch hier bleibt die Geschichte, trotz allen fantastischen Zubehörs, ziemlich nah an der Realität: Die Bösen sind nicht immer dumm! Das Buch überzeugt durch jede Menge Spannung, durch die kurzen Momente der befriedigten Rache, die er erreicht. Die gleichzeitig objektive, traurige, sowie ungewöhnlich einfühlsame Art des Helden macht es einem sehr leicht, sich beim Lesen mit ihm zu identifizieren. Und nicht zuletzt liegt dann doch etwas Tröstliches darin, dass es nicht seine Superkräfte sind, die Lucy helfen, mit ihrem Trauma zurecht zu kommen, sondern seine rein freundschaftliche, aufrichtige Aufmerksamkeit.

Das Buch wird verlagsseitig ab einem Alter zwischen 14 bis 16 Jahren empfohlen. Sicherlich ist es, schon aufgrund der Supermanthematik, einer der wenigen Titel, die besonders Jungen ansprechen werden. [Britta]

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