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Grimm

Autor: Christoph Marzi

Genre: Fantasy

Verlag: Heyne Verlag

Preis: 9.99 € €

ISBN 978-3-453-52960-1

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Vergiss nie die Macht der Worte …

Die siebzehnjährige Vesper Gold ist ein schwieriger Mensch. In der Schule ist der Ärger stets vorprogrammiert, ihre Mutter, eine weltberühmte Pianistin, hat selten Zeit für ihre sehr temperamentvolle Tochter. Vesper hat gute Gründe für ihre negative Weltsicht, ist doch ihre ältere Schwester bereits vor Jahren gestorben, die Eltern sind geschieden.
Und mit einem Mal geschehen in Hamburg merkwürdige Dinge. Wölfe durchstreifen die Nacht, Kinder fallen urplötzlich in einen rätselhaften Tiefschlaf, aus dem nichts sie wecken kann. Eher zufällig erfährt sie vom Tod ihres Vaters, der unter seltsamen Umständen ums Leben gekommen ist. Vesper bleiben nur die Erinnerungen an eine glückliche Kindheit. Immer wieder erinnert sich Vesper an die Worte ihres Vaters: „Mädchen, weicht vom Wege nicht.“, und kann doch nicht einordnen, was es mit dieser Warnung auf sich hatte. Sie ist die einzige, die den Schlüssel in der Hand hält, der die Rätsel lösen könnte. Vesper sucht nach Antworten und trifft Leander, einen schrullig wirkenden jungen Mann, der ebenso wie sie auf der Suche ist.

Die grimmschen Hausmärchen werden lebendig. Das ist das große Oberthema in Marzis „Grimm“, wie der Name ja schon andeutet. Die Märchencharaktere sind dabei vielschichtig und glaubhaft, es gibt nicht einfach „den bösen Wolf“ und „das gute Rotkäppchen“. Dieser Verzicht auf schematische Figuren kommt der Geschichte sehr zugute. Die Handlung strotzt nur so voller spannender und unerwarteter Wendungen, wird aber nie unlogisch. So bekommen die Gebrüder Grimm einen neuen Hintergrund, sie treten als Mitglieder einer Geheimloge auf, die nicht unbedingt Gutes im Schilde führt.
‚Grimm‘ braucht etwas Zeit, bis es sich entfaltet. Die Hauptfigur Vesper, eine betont exzentrischeTeenagerin, macht es einem nicht leicht, sich an sie zu gewöhnen. Auf den ersten hundert Seiten lässt Marzi viele Rückschauen zu, viel wird erklärt, viel angedeutet. Doch dann nimmt die Geschichte rasant an Fahrt auf.
Auch sprachlich ist Grimm wieder ein echter Marzi – er spart nicht an seinem lyrischen Stil, an schöngeistigen Vergleichen und Liedzitaten. Und hier werden sich vermutlich die Geister scheiden. Entweder man mag Marzis Stil (so wie ich), oder man ist befremdet und empfindet die Wortwahl als zu dick aufgetragen.

Christoph Marzi gehört zu den wenigen Autoren, die ich definitiv als „Lieblingsautoren“ bezeichnen würde. Mit ‚Grimm‘ knüpft er zwar nicht an die überwältigende Lycidas-Trilogie an, findet jedoch einen spannenden Ansatz im Umgang mit alten Märchen und Sagen. Grimm selbst ist, wenn man so will, ein modernes, intelligentes Märchen. [Mercedes]

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