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Ein Mann namens Ove

Autor: Fredrik Backmann

Genre: Belletristik

Verlag: Fischer

Preis: 9,99 € €

ISBN 978-3-596-19780-4

Es gibt Menschen, die wünscht man sich nicht als Nachbarn. Menschen, die an allem etwas zu nörgeln finden, die scheinbar ohne Lächeln durchs Leben gehen und jedem, der ihnen in den Weg gerät, mit ständigen Belehrungen auf die Nerven gehen.

Ove ist so ein Mensch. Sein morgendlicher Kontrollgang durch das Viertel bestätigt ihm immer wieder den steten Niedergang der Gesellschaft. Und die Kollegen mit ihren tragbaren Klappcomputern, die nicht mal mehr in der Lage sind, sich selbständig einen ordentlichen Kaffee aufzubrühen, wenn weit und breit kein Knöpfchen zu sehen ist auf das sie dafür drücken könnten, die können ihn auch mal gern haben! Erst recht nach dem vergangenen Montag, an dem sie ihm mit krampfhaftem Lächeln mitteilten, dass er endlich einen Gang zurück schalten könne, weil er in Frührente gehen dürfe. Man habe ihm das nicht vorher sagen wollen, um ihm nicht das Wochenende zu vermiesen!

Und da steht er nun. Ein Mann, der alles so getan hat, wie es erwartet wird. Ein Leben lang hart gearbeitet, nie krank gewesen. Er hat geheiratet, ein Haus gekauft und dieses ordentlich abbezahlt. Er hat alles richtig gemacht – trotzdem wird er ausgemustert, auf das Abstellgleis geschoben, seiner Funktionalität beraubt. Und welchen Sinn hat etwas ohne Funktion? Richtig, keinen!

Ove beginnt, sein Ableben vorzubereiten. Ebenso akribisch und penibel, wie alles, was er in seinem Leben in Angriff genommen hat. Er verliert kein Wort darüber, denn mit wem sollte er auch darüber sprechen? Er ordnet also seine Unterlagen, dreht ein letztes Mal alle Heizungen im Haus runter und schaltet die Lichter aus. Denn den Halsabschneidern von den Stromwerken noch Geld hinterherwerfen, das will ja auch keiner… als vor dem Fenster lautstark sein Briefkasten umgenietet wird! Ove muss nach dem Rechten sehen und natürlich kommt es, wie es kommen muss: Die neuen Nachbarn entpuppen sich als Chaos auf acht Beinen – mit in Aussicht stehendem Nachwuchs! Ein Chaos, das seinen simplen Zukunftsplänen von nun an in schöner Regelmäßigkeit einen Strich durch die Rechnung macht. Denn was Ove nicht ertragen könnte: bei seinem Weggang Unordnung zu hinterlassen. Es gibt eben eine richtige Art, etwas zu machen. Und es gibt eine falsche Art.

‚Ein Mann namens Ove‘ ist eines dieser ganz besonderen Bücher, die einen noch lange nach dem Lesen begleiten. Je mehr man über die Vergangenheit des Protagonisten erfährt, desto verständlicher werden einem seine ruppigen Reaktionen auf Umwelt und Mitmenschen. Sein leidenschaftliches Sehnen nach Gerechtigkeit, seine unantastbare Würde in den schlimmsten Momenten seines Lebens… alles das frisst einem regelrecht schleichend ein Loch ins Herz. Man möchte ihn umarmen und ihm gut zureden. Und das, nachdem man ihn auf den ersten Seiten der Geschichte noch ganz schrecklich anstrengend und lächerlich fand! Dieses Buch erzählt von den großen gesellschaftlichen Themen: die Bereitschaft, Verantwortung für sich und seine Taten zu übernehmen. Der Kampf, eine feste Moralvorstellung in einer sich wandelnden Welt zu vertreten. Von wahrer Liebe, von Verlust und Einsamkeit. Von einem Altern in Würde! Alles das in einer gleichzeitig so tragischen und zutiefst humorvollen Art, dass man wahrlich mit einem weinenden und einem lachenden Auge liest. ‚Ein Mann namens Ove‘ trifft direkt ins Innerste und ist wärmstens zu empfehlen! Wer sich beispielsweise in ‚Das Schicksal ist ein mieser Verräter‘ finden konnte, bei dem dürfte dieser Roman in die Top Ten der persönlichen Jahresbesten gelangen. [Britta]

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