Estelle, dein Blut so rot – Die dunkle Chronik der Vanderborgs 01

Autor: Bianka Minte-König

Genre: Nachtgestalten

Verlag: Otherworld Verlag

Preis: 16.95 € €

ISBN 978-3-8000-9524-7

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Deutsches Kaiserreich: Jakob Vanderborg ist ein Genie und von der Idee besessen, mithilfe eines technischen Apparates und elektromagnetischen Wellen einen Vampir einzufangen. Sein Geschäftspartner aus dem Bereich des Varietés möchte genauso gern an diese Möglichkeit glauben und so finanziert er ihm entsprechendes Gerät und eine Expedition in die Karpaten, denn wo könnte man den Legenden nach besser Vampire fangen, als dort? Vanderborg reist mit dem assistierenden Sohn und seiner Tochter an und in einer Gewitternacht wird die Maschine gestartet. Doch das Experiment schlägt fehl und der Blitz zerstört nicht nur das Gerät, sondern springt auch auf die siebzehnjährige Estelle über. Die Expedition wird als Verlustgeschäft abgebrochen und die Rückreise nach Berlin von mehreren unheilvollen Ereignissen überschattet. Estelle hat den Unfall zwar überlebt, leidet nun jedoch unter verschiedenen gesundheitlichen Einschränkungen. Tageslicht bereitet ihr Kopfschmerz und die Appetitlosigkeit wird so deutlich, dass sie sie instinktiv zu verheimlichen beginnt. Daheim zieht sie sich immer mehr zurück und meidet alte Gewohnheiten. Auch scheint sie unter Gedächtnisverlust zu leiden, wie sonst wäre es zu erklären, dass sie sich in der alten Umgebung kaum zurechtfindet? Und dann gibt noch ihren Bruder, der neuerdings so viel interessanter zu sein scheint.

Der erste Band der Chronik wartet vor allem mit vielen Details zur Kaiserzeit und den Gegebenheiten des gutbürgerlichen Berlins auf. Die Erlebnisse Estelles in der beschriebenen Realität vermengen sich immer wieder mit den brutalen Erinnerungen der Vampirin, die von ihrem Körper Besitz ergriffen hat. Die Gefühle der Untoten sind dabei konsequent ambivalent, da sie selber schon vor Langem alles Menschliche verlor, die Spuren der Unschuld jedoch, die das Wesen der Siebzehnjährigen im Körper hinterließ, sie teilweise beeinflussen. Die Ereignisse rund um Estelle sind schon aufgrund der schönen Sprache interessant zu lesen. Ihre extremen Gefühlsschwankungen dahingegen sind vor allem nervig. Wenn wirklich alles gegen einen spricht und zudem das eigene Verhalten von Selbstsucht gesteuert wird, ist naive Schönmalerei wie in „und dann wird Alles gut werden und wir werden eine glückliche Familie sein“ absurd. Der erste Band endet vor der großen Herausforderung, wie es Estelle möglich sein sollte, den finanziellen Nöten und anstehenden Übergriffen der Weltkriege zu entgehen und für ihre Nachkommenschaft zu sorgen – eine Frage, die wirklich auf die Fortsetzung neugierig machen könnte, wenn da nicht die manisch-depressiven Schwankungen der Hauptfigur wären. [Britta]

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