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Die schrecklichsten Mütter der Welt

Autor: Sabine Ludwig

Genre: Kinderbuch

Verlag: Oetinger Verlag

Preis: 13.90 € €

ab 10 Jahren

ISBN 978-3-7915-1237-2

Hier geht es zur Leseprobe.

Fast alle Kinder zwischen 11 und 14 haben, zumindest zeitweilig, die schrecklichste Mutter der Welt. Egal, ob diese zu chaotisch ist und ständig Hilfe beim Computer-Anschalten braucht, hypermodern und total hip ist, so dass sich Kinder für das gewollt jugendliche Verhalten ihrer Erziehungsberechtigten schämen oder immer voller Sorge um den Sprössling ist und am liebsten sogar in der Schule beschützend daneben stehen möchte. Immer wird verboten, was Spaß macht! Natürlich hat das betroffene Kind immer auch mindestens eine geniale Fähigkeit, die es zu fördern gilt und an welche außer der Mutter niemand glaubt. Wer kennt das nicht?

Als Bruno, Emily und Sofia, die alle mit ihrer persönlichen schrecklichsten Mutter der Welt geschlagen sind, im Internet auf www.schreckliche-muetter.de stoßen und an einem Wettbewerb darüber teilnehmen, wer denn nun wirklich die schlimmste Mutter hat, geht es los. Sie kommen eines Tages aus der Schule und müssen feststellen, dass ihre Mütter nicht mehr da sind. Stattdessen schmeißt die ihnen gänzlich unbekannte „Tante Anna“ (jawohl, jedes Kind hat seine eigene Tante Anna) den Haushalt und kümmert sich um den Nachwuchs. Bald stellt sich heraus, dass Tante Anna perfekt ist. Sie kocht die Lieblingsgerichte der Kinder, räumt auf, erlaubt, was vorher verboten war und liest den Kindern praktisch jeden Wunsch von den Augen ab. Was stört es da, dass sich Unterhaltungen mit Tante Anna manchmal in merkwürdige Richtungen bewegen und die Antworten nicht immer passen? Verdächtig wird es erst, als Tante Anna morgens statt Cornflakes Katzenfutter serviert und sich durch wildes Herumdrücken auf der Fernbedienung für den Fernseher bewegen lässt! Ein Plan muss her, und zwar schnell! Und schon machen sich die Kinder auf die Suche nach Ihren Müttern, reisen mit der Bahn durch Deutschland und erreichen schließlich die Nordsee.

Gleichzeitig geht es auf eben jener weit entfernten Nordseeinsel, die die Kinder zu erreichen versuchen, hoch her. Herr Wohlfarth, ein Spielwarenfabrikant, verwirklicht hier sein Projekt und errichtet eine „Mütterverbesserungsanstalt“. Die verschwundenen Mütter, die durch Tante Annas ersetzt wurden, wägen sich zunächst noch auf Erholungskur, werden aber bald eines Besseren belehrt. Und mit dem Auftreten des Erfinders Kruschke, der die Tante-Anna-Roboter erfunden hat und für Wohlfarth produziert, wird ein veritabler Bösewicht eingeführt.

Die Erwachsenen-Charaktere sind Ludwig gut gelungen, denn es handelt sich dabei um Menschen, die direkt aus der Nachbarschaft kommen könnten. Die Mütter in Wohlfarths Mütterverbesserungsanstalt werden treffend beschrieben und benannt: Klammermutter, Fitnessmutter, Ökomutter, Heulsuse. Mal ist der Erzählton äußerst mitfühlend, mal schadenfroh – und damit ambivalent aber immer passend.
Sabine Ludwig hat ihre Geschichte mit herrlich skurrilen Einfällen und mit viel Humor gespickt. Aber hier wird kein Klamauk präsentiert, sondern die zunächst etwas abstrus wirkende Handlung verschafft sich sehr souverän einen realistischen Ton. Ludwig hat einen messerscharfen Blick auf Mütter und Töchter und hält sowohl Kindern als auch Eltern einen Spiegel vor. Es gibt zwar viel Slapstick und einen richtig bösen Bösewicht aber dabei wird nebenher ganz kritisch darüber nachgedacht, was eigentlich eine gute Mutter ist. Es wird der alltägliche Familienwahnsinn reflektiert. Der Kinderroman gibt Denkanstöße und ist ein Plädoyer für Toleranz auf beiden Seiten der Familie, denn weder Mütter noch Kinder sind perfekt. Beide Daumen hoch für diesen Lesespaß! [Mercedes]

 

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