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Die Katze des Rabbiners 01 – Die Bar-Mizwa

Autor: Joann Star

Genre: Comic

Verlag: Avant Verlag

Preis: 29,95 € €

ISBN 978-3-945034-01-9

Der Rabbiner hat eine Tochter, Zlabya. Außerdem hat er eine Katze und einen ständig plappernden Papagei. Eines Tages ist der Papagei verschwunden, der Katze hängen Federn aus dem Maul… und sie kann plötzlich reden. Der Rabbiner wirft ihr den Mord an dem Vogel vor, doch sie streitet diesen vehement ab, woraufhin der Rabbiner sie obendrein der Lüge bezichtigt. Um seine Tochter vor den immer dreister werdenden Lügen zu schützen, nimmt er die Katze von nun an stets mit sich und die beiden verwickeln sich in immer weiter führende Streitgespräche über Glauben, Ideen, den Judaismus, Gott und das Wesen der Liebe. Denn – so die Katze – wenn sie eine gute jüdische Katze sein und nicht lügen soll, dann müsse sie allem voran eine Bar-Mizwa haben.

Die Katze des Rabbiners ist ein hochphilosophischer Comic bzw. eine ebensolche Graphic Novel. In typisch kontroversen Diskussionen nehmen der Rabbiner und die Katze jeweils gegnerische Standpunkte ein, so dass der Leser ihnen im Wechselbad der Gefühle folgt. Diese Lehrgespräche im talmudschen Sinne faszinieren und erläutern gleichermaßen. Man beginnt zu verstehen, wie komplex eine Nation in ihrem Inneren sein muss, die täglich mit dieser Spannung an Gegensätzen lebt. Den goldenen Mittelweg zu finden, andere Meinungen in das eigene Weltbild zu integrieren und dennoch mit gleichmütiger Überzeugung zu dem zu stehen, was man für sich als wahr und wertvoll erkannt hat, sowie ein stetes Restrisiko zu akzeptieren, ist der Rote Faden dieses hinreißend speziell gezeichneten Titels. Hintergründe sind angedeutet, Räume verschattet, Mensch und Tier fast nur skizziert, die Katze selbst wirkt mit ihren scharfen Krallen, ihren viel zu großen Ohren, dem matt wirkenden Fell und ihrer kantigen Art sogar unsympathisch. Das einzig Schöne und farblich herausragende in den Zeichnungen ist Zlabya, die Tochter, um derer Zuneigung willen sich die so unterschiedlichen Kontrahenten auf dieses Spiel eingelassen haben. Doch die Reise zu größerem Wissen stürzt beide in Alpträume und wachsende Verwirrung. Was, wenn der andere Recht hat? Letztlich findet die Katze ihre eigene Wahrheit und beschließt, nicht mehr zu reden. Denn: „Es lohnt sich, die Schnauze zu halten, um glücklich zu sein.“

Der erste Band dieser jüdischen Erwachsenen-Fabel ist eines der ganz großen Werke des Genres, denn die Art, wie die Katze kein Blatt vor den Mund nimmt, um in scharfzüngiger Weise ihre Zweifel kundzutun, ebenso wie die fast verzweifelte Suche des Rabbiners nach Unumstößlichem als Ankerpunkt in einer Welt der Widersprüche, spricht vermutlich jedem Leser aus dem Herzen. [Britta]

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