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Die Insassen

Autor: Katharina Münk

Genre: Belletristik

Verlag: dtv Verlag

Preis: 9.95 € €

ISBN 978-3-423-21299-1

Hier geht es zur Leseprobe.

Ein eiskalter Beteiligungsmanager, der irgendwann zwischen Flughafen und Autobahnabfahrt konzentriert auf das Navigationsgerät einzuschlagen beginnt. Ein Geschäftsführungsmitglied eines großen Konzerns, dessen egozentrisches Weltbild die Bedeutung sämtlicher an ihn gerichteter Worte entsprechend seinen Wünschen vollständig und mit allergrößtem Selbstverständnis umdeutet. Ein Personalchef, der den Erinnerungen an sein heuchlerisches Vorgehen der Einfachheit halber jeden Tag von Neuem umfassende Amnesie entgegensetzt und seine Berufung nun in der Seelsorge sieht. Und eine selbstlose Vorstandssekretärin, die sich ihrer persönlichen Assimilation nur noch durch eine verzweifelte Kurzschlussreaktion gegen den letzten Vorgesetzten zu erwehren wusste. Sie alle haben gemein, dass sie in St. Ägidius eingewiesen und dort auf ihre emotionale Schieflage hin behandelt werden sollen. Oder, wie die Dame dieser Top-Managerrunde auf die Frage, wie sie sich in ihrem extremen Verhalten gefühlt habe, antwortete: „Nicht besonders gut oder schlecht. Ich bringe es auf dreihundertachtzig Anschläge pro Minute. Und dies war einer.“ Die ärztlich verordnete Gruppenkonstellation läuft, vom Klinikpersonal unbemerkt, aus dem Ruder, als die „Projektgruppe“ unter der visionären Führung des Platzhirsches zu dem Schluss kommt: St. Ägidius ist reif für eine klassische Übernahme und den Börsengang! Dass die bisherige Geschäftsführung sich wenig kooperativ zeigt ist man gewohnt und so wird das Projekt in erprobter Diskretion ins Rollen gebracht.

Die Autorin kommt selber aus den Kreisen der herrlich makaber beschriebenen Managementetagen und weiß sehr genau, wovon sie spricht, bei ihrer neuerlichen Abrechnung mit der deutschen Wirtschaft und deren Bossen. Während sie bisher nur in lose aneinander gereihten Anekdoten erzählte, hat sie mit diesem Roman eine höchst amüsante Rahmenhandlung geschaffen. Und wieder einmal zeigt sie: Wo der Wahnsinn beginnt oder endet ist reine Definitionssache. [BM]

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