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Die Hüterin der Wahrheit – Dinas Bestimmung

Autor: Lene Kaaberbøl

Genre: Fantasy und Jugendbuch

Verlag: Carlsen Verlag

Preis: 6,99 € €

ab 13 Jahren

ISBN 978-3-551-31548-9

Dina ist etwa zehn Jahre alt und lebt auf dem kleinen Familienhof außerhalb des Dorfes. Doch während die Gleichaltrigen der Umgebung unbefangen miteinander herumtollen, wird Dina daheim in Lesen und Schönschrift ausgebildet. Sie unterstützt ihre Mutter beim Herstellen von Heiltränken. Und selbst wenn sie nicht im Haus bliebe – Kinder und Erwachsene meiden sie gleichermaßen. Denn Dina hat die Gabe ihrer Mutter geerbt, deren Profession es ist, die dunkelsten Geheimnisse der Mitmenschen mit nur einem Blick in ihr Innerstes aufdecken zu können; sie trägt die Macht in sich, zu einer Beschämerin heranzuwachsen!

So verunsichert die Menschen auch im Alltag auf Beschämerinnen reagieren… diese dienen mit ihren Fähigkeiten dem Gemeinwesen, ihre Aussagen werden bei Rechtssprüchen zu Rate gezogen und hoch geschätzt. Eines Abends erscheint ein berittener Bote und Dinas Mutter wird an den Königshof geordert. Der Thronerbe ist eines brutalen Mehrfachmordes beschuldigt worden, aufgefunden wurde er inmitten eines Blutbads. Er behauptet jedoch, sich aufgrund von Trunkenheit nicht mehr daran erinnern zu können, wie es dazu hat kommen können. Ein Auftrag, der Dinas Mutter mit Verlust und Leid konfrontieren wird, dessen erhebliche Tragweite sie aber daran hindert, ihn abzulehnen. Und so bricht sie auf, den Königssohn zu prüfen – und kehrt nicht zurück! Stattdessen erreicht die Kinder daheim ein weiterer Bote vom Königshof und behauptet, dass Dinas Mutter nach ihr geschickt habe, weil sie ihre Hilfe bräuchte.

‚Die Hüterin der Wahrheit’ ist so etwas wie ‚Game of Thrones’ für Kinder. Die Geschichte folgt zwar einem sehr viel klarer strukturierten Plot, das leicht mittelalterliche Setting jedoch lässt einen schnell in einer Welt aus Gerüchen, Geräuschen, Handwerk und Federvieh versinken, die man sich sehr gut vorstellen kann. Das Erlebte wird aus Dinas Sicht erzählt, die von den Ereignissen überrollt wird. Eben noch war ihre größte Sorge, dass die Müllerstochter sie hänselte, kurz darauf findet sie sich in einem düsteren Verlies weit fort von daheim wieder, wird bedroht und zu unerwartet erwachsenen Entscheidungen gezwungen, bei denen ihr niemand beisteht. Das Element der Gabe ist faszinierend beschrieben, das grausame politische Kalkül der Adelsfamilie wirkt doppelt unfassbar im Vergleich zu Dinas bisher so harmlosen Erfahrungen. Dinas zu Recht anwachsendes Misstrauen ihrer Umwelt gegenüber lässt einen mitfiebern, der flüssige Schreibstil lässt sich trotz einiger ungewohnter Begriffe leicht runterlesen.

Diese Geschichte wird seitens des Verlags ab 12 Jahren empfohlen. Vielleser, die beispielsweise auch ‚Harry Potter’ oder ‚Die Tribute von Panem’ schon weit vor dem empfohlenen Alter gelesen haben, könnten aber schon früher an der ‚Hüterin’ interessiert sein, denn die hier gezeichnete Gewalt bewegt sich auf einem ähnlichen Level. Für empfindsame Gemüter empfiehlt es sich jedoch, zweimal darüber nachzudenken, ob man zugreifen sollte. Die Grausamkeit hier entfaltet sich zum großen Teil sogar auf psychologischer Ebene, wenn Dina beispielsweise in Gefangenschaft von ihren erwachsenen Peinigern damit bedrängt wird, dass ihr bei verbundenen Augen akustisch vorgegaukelt wird, wie es sich wohl anhört, wenn ein geliebter Mensch, aufgrund ihrer Weigerung zur Kooperation, dem Drachen zum Fraß vorgeworfen werden würde! ‚Die Hüterin der Wahrheit’ ist somit eine spannende Fantasy-Geschichte, die aber nichts für zartbesaitete Kinder ist. Es handelt sich um den ersten Band einer Reihe. Und ich bin gespannt auf die Verfilmung, die ab dem 15. Februar in die Kinos kommt. [Britta]

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