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Die allerbeste Prinzessin

Autoren: Sabine Büchner und Ursula Poznanski

Genre: Bilderbuch

Verlag: Loewe Verlag

ab 4 Jahren

ISBN 978-3-7855-8578-8

Ein alleinerziehender Vater mit drei Töchtern hat es nicht leicht, das weiß man ja. Erst recht nicht, wenn die reizenden jungen Damen sportlich, diskussionsfreudig und ideenreich sind. Schnell gibt es täglichen Schabernack und lautstarke Unstimmigkeiten. Da kommt es diesem Vater ganz recht, dass er selber König ist und die Tradition es ihm gestattet, die Töchter ganz einfach per Hochzeit mit einem Prinzen außer Haus zu bekommen. Ein netter Prinz müsste es schon sein – immerhin liebt er seine Töchter. Aber deren ständiges Gezanke ist wirklich gar zu anstrengend. Also verschickt der König ganz viele Einladungen, um die Zeit des Werbens zu eröffnen. Ein Bewerber taucht auf und der König bittet seine Töchter schon im Voraus, sich gut zu benehmen. Aber als sie fertig umgezogen und frisiert sind, müssen sie kurz warten. Und dabei stellen sie fest, dass jede gerne den Prinzen hätte, ihn nicht den jeweils anderen gönnt! Ein neuer Streit entbrennt.

‚Die allerbeste Prinzessin’ ist ein toll gezeichnetes Märchen für wilde Kinder, die Drachen lieben. Und Prinzessinnen. Die Geschichte bricht mit gängigen Klischees, ohne deswegen vor den Kopf zu stoßen. So werden die Prinzessinnen zwar einerseits hübsch eingekleidet und entsprechen damit über viele Seiten hinweg den etwas romantischeren Kleine-Mädchen-Vorstellungen einer Prinzessin. Aber wer genau hinsieht, wird die Spiegelung der jeweiligen Persönlichkeit in ihrem Kleidergeschmack erkennen können, wenn die vernaschte Prinzessin Violetta beispielsweise ein Kleid mit Himbeer-Motiven trägt, ihre sportliche Schwester Rosalind hingegen eines mit blassrosa Totenköpfen, sowie unter den Unterröcken praktische Leggings und Sportschuhe. Die klassische Aufgabenstellung des Verheiratetwerdens kippt schnell, als die Prinzessinnen in geschwisterlichem Ehrgeiz den Spieß umdrehen und daraus im Grunde ein Wetteifern um den alsbald verängstigten Prinzen machen. Als jener sich damit herauszureden beginnt, dass er doch noch den einen oder anderen Drachen zu fangen vergaß und dass das mindestens ein Jahr lang dauern würde, können die Prinzessinnen nicht so lange warten. Das muss doch schneller gehen! Wenn der Prinz so unfähig ist, dann greifen sie ihm eben unter die Arme und kümmern sich selber darum. Womit sie ihre Pferde satteln und auf die wilde Jagd gehen.

Die Zeichnungen der Geschichte bestehen aus großflächigen Hintergründen in warmen und dezent abgeblendeten Farben. Die Landschaften sind nach hinten weg stark reduziert, oftmals sogar zugunsten einer klaren Bildaufteilung ausgeblendet. Im Vordergrund stehen die etwas kräftiger eingefärbten Figuren. Sie zeichnen sich durch extrem schlanke Arme und große Köpfe mit runden Kulleraugen aus, was sie gleichzeitig frech und niedlich wirken lässt. Mimik und Gestik der Figuren sind überraschend ausdruckstark und – durch das aufbrausende Naturell der Prinzessinnen – nahe an realistischen Empfindungen eines kindlichen Alltags. Sie wechseln zwischen Zufriedenheit, Erstaunen, Begeisterung, Schadenfreude, Unruhe, erzwungener Höflichkeit, Missgunst, Erleichterung, Ehrgeiz, Spott, Überheblichkeit, zänkischer Wut, Zufriedenheit und sogar Genervtheit. Was eine deutlich weiter gefächerte Bandbreite an ablesbaren Emotionen darstellt, als es das durchschnittliche Bilderbuch zu bieten hat. Womit es einen tollen Gesprächsanlass beim Vorlesen bietet, um dem Kind zu ermöglichen, sich in die Figuren hineinzuversetzen.

Mit im Durchschnitt etwa zehn bis zwanzig Zeilen Text pro Doppelseite kann ‚Die allerbeste Prinzessin’ Kinder ab vier Jahren gut unterhalten, die gerne etwas länger zuhören. Dazu kommen die vielen kleinen Details in den Zeichnungen, die dazu einladen, Dinge zu suchen und zu kommentieren. Wie beispielsweise die unglaublich hohe Anzahl an Krönchen, Kakteen, stilisierten historischen Gebäuden im Miniformat, versteckten Drachen, verzauberten Fröschen und befreundeten Insekten. Wer sich also fragt, ob es wirklich noch ein weiteres Bilderbuch über Prinzessinnen braucht, dem sei gesagt: dieses auf jeden Fall! [Britta]

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