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Der Wunderling

Autor: Mira Bartock

Genre: Kinderbuch

Verlag: Aladin Verlag

Preis: 16,95 €

ab 10 Jahren

ISBN 978-3-8489-2085-3

In einer viktorianisch angehauchten Welt, die dickenssche Züge trägt, leben Menschen und Tiermenschen, die so genannten „Erdlinge“, nebeneinander. Wir begegnen gleich zu Beginn dem Fuchs-Erdling Nummer Dreizehn, der in einem Waisenheim aufwächst, das an Tristess und Kinderverachtung schwer zu überbieten ist. Dreizehns alltägliches Leben wird dominiert von strengen Regeln, viel und harter Arbeit und den unvermeidlichen Stockschlägen bei Ungehorsam. Das Leben des schüchternen jungen Fuchses ändert sich erst, als er im Waisen-Neuzugang Trixie eine echte Freundin findet. Sie verhilft ihm nicht nur zur Flucht, sondern endlich auch zu einem richten Namen: Arthur. Während sich Arthur auf nach Lichterburg macht, einer Stadt, in der er versuchen möchte, mehr über seine Herkunft und seine Eltern zu erfahren, formieren sich schon seine Gegenspieler. Denn die grausame Heimleiterin hat große Pläne, die Welt zu einem noch schlechteren Ort für die Erdlinge zu machen.

Mira Bartók erzählt in ‚Der Wunderling‘ eine spannende Geschichte in einer Welt, die der unseren nicht unnähnlich ist. Mit den gesellschaftlich ausgestoßenen Erdlingen wird äußerst rau umgesprungen, sie sind eine Randgruppe, derer man sich im Buch am liebsten entledigen möchte, eingesperrt in Ghettos, immer separiert von den „normalen“ Menschen.

Arthur ist in seiner Unbedarftheit und Naivität einfach liebenswert. Dieser einohrige Fuchsjunge, der selbst herzensgut ist und trotz vieler schlimmer Erfahrungen noch an das Gute im Menschen glaubt, durchläuft die Stationen eines klassischen Abenteurers in einem wunderbar gestalteten Setting. Während dem (erwachsenen) Leser schnell klar wird, welchem neuen Bekannten man besser kein Vertrauen schenkt, muss Arthur dies erst lernen.

Dabei spielt, ohne zuviel verraten zu wollen, Musik eine große Rolle. Arthur hat ein übermäßig gutes Gehör, er kann sogar die Mäuse in den Wänden flüstern hören. Schön fand ich die in die Handlung eingeflochtenen Beschreibungen der Orte, an denen Arthur sich aufhält und der Personen, denen er begegnet. Die Mischung aus viktorianischem Setting nebst Steampunk-Elementen gefällt. Man merkt der Autorin die Begeisterung für ihre Welt an, ohne dass der ‚Wunderling‘ sprachlich abgehoben wäre. Im Gegenteil, die Sprache ist recht gradlinig und überfordert damit auch jüngere Leser nicht. Die schwarz-weißen Illustrationen im Roman treffen die Stimmung des Erzählten und machen das Buch zu einem kleinen Kunstwerk. Dieser Kinderroman eignet sich als Vorlesebuch für ältere Grundschulkinder. Am Besten aufgehoben scheint er jedoch in den Händen von lesebegeisterten Kindern ab 9 Jahren, die fantasievolle Geschichten mit liebenswerten Heldenfiguren mögen.
[Mercedes]

Eine Leseprobe zum „Wunderling“ könnt ihr HIER lesen.

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