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Der Junge, der Gedanken lesen konnte. Ein Friedhofskrimi

Autor: Kirsten Boie

Genre: Kinderbuch

Verlag: Oetinger Verlag

Preis: 14.95 € €

ab 10 Jahren

ISBN 978-3-7891-3191-2

Kirsten Boie ist den meisten Lesern vermutlich durch Bücher wie ‚Der kleine Ritter Trenk‘ oder ‚Seeräuber Moses‘ ein Begriff. In diesem Jahr ist nun ihr neues Kinderbuch ‚Der Junge, der Gedankenlesen konnte‘ erschienen.

Valentin lebt mit seiner Mutter in Deutschland, sein Vater ist in Kasachstan geblieben. Denn nach dem Tod von Valentins älterem Bruder haben sich die Eltern getrennt. Gesprochen wird über den Bruder und die Familientrennung nicht gerne, die Mutter hat zudem mit ihrer neuen Arbeitstelle als Filialleiterin einer Drogeriekette viel um die Ohren. Daher ist Valentin oft allein zu Hause. Es sind Ferien und er kennt noch keine Gleichaltrigen, erst nach den Ferien wird er in die neue Klasse kommen. Bald entdeckt er, dass es auf dem nahe gelegenen Friedhof alles anderes als einsam ist. Dort findet sich jeden Tag das Ehepaar Schilinsky auf ihrer zukünftigen Grabstelle ein, um zu picknicken. Der Schrebergarten war zu teuer und warum sollte man dann ein bereits bezahltes Grab ungenutzt lassen? Ein älterer Herr besucht regelmäßig mit seinem Hund Jiffel das Grab seiner verstorbenen Frau und schaut dann auch gleich noch bei den Schilinskys vorbei. Dann gibt es noch den Friedhofsgärtner Bronislaw, der auch mal Neune gerade sein lässt und eine vor sich hin murmelnde Obdachlose, die sich hier heimisch fühlt.

Alle zusammen essen Würstchen und Kartoffelsalat und genießen die Friedhofsidylle. Valentin wird sofort in die ungewöhnliche Gruppe aufgenommen. Mit Herrn Schmidt kann er sogar über seine Fähigkeit reden, die Gedanken anderer Menschen manchmal lesen zu können. Und diese Fähigkeit kommt gerade recht, denn Bronislaw wird auf dem Friedhof von Unbekannten zusammengeschlagen. Bevor er sich versieht, ist Valentin schon mitten in einem echten Kriminalfall gelandet!

Mit Mesut, einem Nachbarsjungen, ermittelt er nun in seinem ersten Fall. Ist der Friedhofsgärtner vielleicht selbst ein gemeiner Verbrecher? Oder hat der Angriff auf Bronislaw etwas mit den Raubüberfällen auf Juweliergeschäfte in der Gegend zu tun? Bald kommen Valentin und Mesut einer skrupellosen Verbrecherbande auf die Spur und bringen sich selbst in große Gefahr.

Kirsten Boie gelingt es, das fantastische Moment des Gedankenlesens dezent einzusetzen. Es handelt sich nämlich mitnichten um einen Fantasyroman, sondern einen Kriminalfall mit einer – wohldosiert eingesetzten – ungewöhnlichen Begabung.

‚Der Junge, der Gedanken lesen konnte‘ ist eine spannende Geschichte für junge Leser. Gleichzeitig werden Themen wie Fremdsein, der Umgang mit dem Tod und das Alleinsein behandelt, ohne rührselig oder pädagogisch daherzukommen. Es geht dabei auch immer um die gut gezeichneten, skurrilen Figuren, die im kleinen Friedhofs-Biotop zusammentreffen. Boie hat ihre Geschichte in einem multikulturellem Deutschland angesiedelt, ohne Klischees zu bedienen. [Mercedes]

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