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Das Spielmannslied

Autor: Susanne Pavlovic

Genre: Fantasy

Verlag: Amrûn Verlag

Preis: 12,90 €

ISBN 978-3-95869-208-4

‚Das Spielmannslied’ ist der erste Band der Abrantes-Romane, die Vorgeschichte zum ‚Feuerjäger’. Es ist auch als in sich abgeschlossenes Abenteuer lesbar. Angesiedelt in einer mittelalterlich anmutenden Fantasywelt, begleiten wir den gealterten Spielmann Wolfram von Kürenberg zum Haupttor einer Burg. Der Winter steht bevor und ihm ist nur zu bewusst, dass es für ihn den Unterschied zwischen Leben oder Tod bedeuten kann, ob die Herrschaften sich von seiner Erzählkunst einfangen lassen und ihm für einige Wochen Obdach gewähren. So wählt er zu dem Bankett, zu dem er vorgelassen wird, seine eigene Lebensgeschichte, um sie in Fortsetzungsepisoden vorzutragen.

Wolframs Abenteuer beginnt Jahrzehnte zuvor, als Lehrling der Hohen Künste, der aber schnell feststellen muss, dass ihn stets das Lampenfieber plagt. Unmöglich, so die schlichten Gemüter und Großmäuler zu bespaßen! Gleichzeitig erkennt die Küchenmagd Krona, dass sie zu Höherem berufen ist. Mindestens zur Schwert schwingenden Heldin eines Epos! Zwangsrekrutiert als ihr persönlicher Biograph, schleift sie den jungen Barden mit sich in die große weite Welt. Und – wie sollte es anders sein – kurz darauf schmiedet ein Zufall die Suchenden mit ihrem vorbestimmten dritten Reisegefährten zusammen: dem elfengleichen Magier Sindri. Der jedoch ist mindestens so verwöhnt, wie hübsch, was schnell zu Spannungen führt. Die drei Schicksalsgefährten begeben sich auf eine Quest. Schließlich will Krona eine Heldin werden und wie sonst sollte das gehen, wenn nicht dadurch, dass sie einen Drachen besiegt?

Die Geschichte wird in Rückblenden erzählt, aufgelockert durch die Einschübe der Gegenwart, in welcher dem armen Erzähler die Zeit davonrennt. Denn so angetan die Burgherrin auch ist, von der tragischen Liebesgeschichte eines zurückgewiesenen stillen Heldens… so wenig schmeckt dem Herrn der Festung zugleich der Gedanke an eine weibliche Heldin, die mit gezogenem Schwert gen Drachen zieht. Sowas gebührt doch wohl eher den Herren.

‚Das Spielmannslied’ ist einer jener seltenen Romane, die sich durch eine so unverwechselbare Athmosphäre auszeichnen, dass sie noch lange nachklingen. Mit der Hauptfigur des lebenserfahrenen, inzwischen weise gewordenen Wortwebers, der mit dem Wissen um einen schweren Verlust auf sein früheres Ich – einen schüchternen und schwärmerisch der Ästhetik verfallenden Jüngling in mannigfachen Nöten – zurückschaut, ist der Autorin ein Schöpfungsakt gelungen. Denn Wolfram wird in seiner Bescheidenheit so dermaßen liebenswert und lebendig, dass man ihn mit jeder weiteren Seite mehr vor den Ungerechtigkeiten des Lebens beschützen möchte. Erst recht in anbetracht des Umstandes, dass er trotz all seines Mutes und seiner Selbstlosigkeit viele Jahre später, wenn er selber Beistand nötig hätte, wortgewandt aber einsam vor den Toren der Burg steht.

Die Geschichte schafft den Spagat zwischen Tragödie und Komödie mit verblüffender Leichtigkeit. Sie liest sich wie ein Wechselbad der Gefühle, nimmt einen mit auf eine Reise, trägt einen dabei auf der Schönheit der Sprache. Rollenspieler werden sich in der Art des Erzählstroms angenehm heimisch fühlen. Witzige Zwischenfälle, sowie unzählige intertextuelle Bezüge auf epische Welten wie ‚Harry Potter’, ‚Herr der Ringe’ und ‚Star Wars’ machen das Buch, trotz der allgegenwärtig spürbaren Tragik, zu einer absolut empfehlenswerten Schmökerlektüre. Mit Schmunzelgarantie. Das kann nicht jeder! [Britta]

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