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Das Jahr, in dem ich lügen lernte

Autor: Lauren Wolk

Genre: Jugendbuch

Verlag: Hanser Verlag

Preis: 16 € €

ab 12 Jahren

ISBN 978-3-446-25494-7

Die elfjährige Annabelle lebt zusammen mit ihren Eltern, Großeltern, einer Tante und zwei jüngeren Brüdern im ländlichen Pennsylvania. Während die USA sich im Herbst 1943 längst in die Kriegswirren auf dem europäischen Kontinent verstrickt hat, herrscht zu Beginn des Romans in Annabelles Lebensumfeld eine arbeitsame, aber entspannte Atmosphäre. Annabelle muss zwar auf dem heimischen Hof mithelfen und bei Wind und Wetter zu Fuß zur Schule gehen. Und dann noch auf ihre Brüder aufpassen, die die reinsten Wildfänge sind. Doch Annabelles Eltern sind fürsorglich, sie hat eine aufmerksame Lehrerin und in der Schule eine allerbeste Freundin.

Als eines Tages ein neues Mädchen, Betty, in die Klasse kommt, verändert sich Annabelles Leben. Betty hat es offenbar auf Annabelle abgesehen. Doch es handelt sich nicht einfach nur um kleine Sticheleien, sondern Betty ist aggressiv, bedroht Annabelle und ihre Brüder und geht das jüngere Mädchen auch physisch an. Annabelle, die vorher solch gewalttägig-mobbendem Verhalten nicht ausgesetzt gewesen ist, irritiert Bettys Verhalten. Glücklicherweise hat sie einen stillen Helfer im Hintergrund: Toby. Dieser lebt als verschrobener Einsiedler in einer kleinen Hütte in der Nähe von Annabelles Heim. Er hat im Ersten Weltkrieg gekämpft, spricht aber nicht darüber. Offenbar von den Kriegserlebnissen traumatisiert, wirkt Toby durch sein abgerissenes Erscheinungsbild bedrohlich. Viele Bewohner der kleinen Ortschaft stehen ihm skeptisch gegenüber aber Annabelles Eltern begegnen Toby vorurteilsfrei, versorgen ihn hin und wieder mit Essen.
Die Stimmung im Roman beginnt allmählich zu kippen, Bettys Präsenz macht Annabelle das Leben schwer. Zumal Betty Erwachsenen gegenüber die Fassade des netten Mädchens aufrechterhält. Bald darauf passiert ein Unfall: Annabelles beste Freundin Ruth wird während der Schulhofpause von einem Stein am Kopf getroffen und schwer verletzt. Der Steinewerfer ist nicht auszumachen, aber Betty bringt das Gerücht in Umlauf, Toby habe den Stein geworfen. Der Startschuss für eine wahre Hexenjagd beginnt. Natürlich hält Annabelle zu ihrem Freund aber um den fälschlich Beschuldigten in Schutz zu nehmen, beginnt sie zu lügen.

‚Das Jahr, in dem ich lügen lernte‘ handelt von Freundschaft, Toleranz, Integrität und Zivilcourage und hat mich schon nach wenigen Seiten gefangen genommen. Die sprachliche Schönheit dieses Jugendbuchs sticht aus der Flut an Neuerscheinungen heraus. Sätze wie
“Und dann kam mir ein besserer Gedanke, und der begleitete mich von da an: Wenn mein Leben nicht mehr war als eine einzige Note in einer endlosen Sinfonie, musste ich dann nicht diesen einen Ton so lang und so laut spielen, wie ich konnte?” (S.211) sind keine Seltenheit.
Die elfjährige Annabelle war für mich zudem eine durch und durch glaubwürdige Figur, deren Verlust der kindlichen Naivität mitfühlend erzählt wird. Lauren Wolk hat mit ihrem Jugendbuch ein Plädoyer für ein humanes Miteinander geschrieben – eine Leseempfelung nicht nur für Jugendliche! [Mercedes]

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