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Daniel is different

Autor: Wesley King

Genre: Jugendbuch

Verlag: Magellan

Preis: 17 €

ab 12 Jahren

ISBN 978-3-7348-4710-3

Nichts wünscht sich Daniel sehnlicher, als normal zu sein. Er versucht, keinesfalls aufzufallen – weder in der Schule noch in seiner Familie. Denn bislang ahnt keiner, was für seltsame Angewohnheiten Daniel, im wahrsten Sinne des Wortes, den Schlaf rauben. Bevor er sich ins Bett legen kann, muss er zum Beispiel bestimmte „Rituale“ einhalten, sonst wird unweigerlich etwas Schlimmes mit ihm geschehen. Eines davon ist das Ein- und Ausschalten des Lichts. Was mitunter Stunden dauern kann! Und was bei Daniel zu chronischer Übermüdung führt, nebst schmerzenden Handgelenken. Andere Ticks machen ihm tagsüber das Leben schwer. Dass es sich dabei um ausgeprägte Zwangsstörungen handelt, ahnt der Dreizehnjährige zunächst nicht. Er schlägt sich im Unterricht ganz gut durch, nur mit Mathematik kommt er nicht klar. Zahlen und seine Zähl-Zwangsstörung, das passt einfach nicht zusammen.

Daniel hat das große Glück, mit dem sportlichen Max befreundet zu sein, der immer wieder versucht, Daniel in die Schulsportmannschaft zu integrieren. Denn ansonsten wäre seine Stellung als Außenseiter an der Schule vorprogrammiert. Dabei liegt Daniel Football so gar nicht, auch wenn er gerade gezwungenermaßen als Ersatzspieler einspringt. Die Angst, während des Spiels einen seiner „Zaps“ zu bekommen, die ihn handlungsunfähig machen, ist überbordend groß. Er ordnet lieber die Wasserbecher für die Mannschaft geometrisch an, als über das Spielfeld zu rennen. Daniel weiß, das irgendetwas mit ihm nicht in Ordnung ist aber er versucht verzweifelt, die normale Fassade aufrecht zu erhalten.

Sein Leben bekommt eine neue Wendung, als Sara, ein Mädchen in seinem Jahrgang, ihn anspricht. Dies ist für Daniel insofern absolut irritierend, da Sara grundsätzlich mit niemandem redet, nicht einmal mit ihrer Mutter. Weswegen sie speziellen Einzelunterricht bekommt. Sara ist sehr klug, hält es aber nicht für notwendig, mit ihrer Umwelt zu kommunizieren. Anders als Daniel, hat sie sich jedoch mit ihrem Anderssein arrangiert. Zwischen Sara und Daniel entwickelt sich eine Freundschaft, die beiden gut tut. Sobald sie zu zweit sind, kommt Daniel mehr aus sich heraus. Und Sara wird es sein, die als Erste von seinen „Zaps“ erfährt.

Nebenher muss Daniel ein paar typische Teenager-Probleme bewältigen. Er, der schüchterne Junge, der schnell rot wird und sich im Hintergrund hält, hat sich in die hübsche Raya verguckt. Immerhin schafft er es, recht schlagfertig zu sein, auch wenn schnell klar wird, dass Raya und Daniel kein Traumpaar werden.

Als Daniel in der Schule eine kryptische Nachricht zugesteckt wird, wird seine „unauffällig sein“- Taktik schwierig. Jemand braucht seine Hilfe, jemand, der sich und Daniel „Sternenkinder“ nennt. Und plötzlich steckt Daniel mittendrin in einem Krimifall um einen verschwundenen Vater.

Wesley King präsentiert uns in ‚Daniel is different’ glaubwürdige Charaktere, die während des Romans eine echte Entwicklung durchlaufen. Daniel nähert sich auf kleinen Schritten der Erkenntnis, dass er Hilfe braucht und diese einfordern kann. Sara wird ebenfalls lernen, mit ihrer Zwangsstörung, sowie ihrer Vergangenheit und ihrer Familie umzugehen.

Der Autor berichtet im Nachwort, er selbst habe als Kind eine ähnliche psychische Störung gehabt und seine Erfahrungen in ’Daniel is different’ eingearbeitet. Dies merkt man dem Jugendroman an, denn an keiner Stelle wirkt Daniel lächerlich oder nervig. Dem Autor gelingt es, ein sehr ernstes Thema mit einem Schuss Humor näherzubringen. Es wird deutlich, wie aufreibend Zwangsstörungen sind und wie sehr Betroffene allen Alters darunter leiden.

Gelungen ist die Idee, Daniel selbst zum Autor einer Geschichte zu machen, in der ein heldenhafter, nicht von „Zaps“ geplanter Daniel die Hauptrolle spielt. Immer wieder werden kurze Abschnitte dieser Story eingefügt. Die Krimihandlung um den vermissten Vater bringt noch mehr Pfiff hinein, denn Daniel und Sara freunden sich während der Recherchen immer weiter an.

’Daniel is different’ ist ein lesenswerter Jugendroman, der die Krankheit Zwangsstörung realistisch darstellt, zugleich aber Perspektiven öffnet und zeigt, dass Hilfe-Brauchen und Hilfe-Annehmen-Können nicht immer einfach umzusetzen sind.

[Mercedes]

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