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Da war mal was…

Autor: FLIX

Genre: Comic

Verlag: Carlsen Verlag

Preis: 16,99 € €

ISBN 978-3-551-79189-4

25 Jahre nach dem Berliner Mauerfall hat der Zahn der Zeit dafür gesorgt, dass von dem einstmals so bedrohlichen, kilometerlangen Beton-Hindernis nicht viel mehr als ein schmaler Streifen auf dem Asphalt zu sehen ist. Wenn man genau davor steht! Heutige Jugendliche verbinden kaum eine Erinnerung, geschweige denn eine emotionale Regung mit dem Thema der deutschen Teilung und Widervereinigung, so weit weg scheint ihnen eine Zeit, die sie nicht selber erlebt haben.

Der Comiczeichner FLIX ist in diversen Interviews mit Freunden und Bekannten der Frage auf den Grund gegangen, wie es „damals“ wirklich war. Was den Osten (oder auch den Westen) zur Zeit der Mauer auszeichnete. Wie kindliche Vorstellungen zu den Zuständen aussahen – und wie die Realität. Die dabei zusammengetragenen, sehr persönlichen Erinnerungen gibt er in seinem typischen Zeichenstil innerhalb kurzer Bilderfolgen wieder. Die Figuren und Gegenstände auf den Bildern zeichnen sich durch großzügig abgerundete Konturen aus, was ihnen etwas Freundliches und damit auch Zugängliches verleiht. Jede Erzählung wird mit einer Art Deckblatt eingeleitet, welches den Namen des Interviewten präsentiert. Die darauf folgende Geschichte ist dann einheitlich in verschiedene Nuancen der Deckblatfarbe getaucht. Jochens Erinnerungen beispielsweise sind in gelb, senffarben, hellem braun und blassem beige gehalten – was gekonnt den Bezug zu dem für ihn damals wichtigen Thema Kuba unterstreicht.

Die Erinnerungen geben eine sehr repräsentative Bandbreite von Erlebnissen und Einstellungen wider. Vom Beinahe-Ernst-Thälmann-Pionier, über den inhaftierten Querdenker, vom „unbeteiligten“ Wessie bis zum Vergangenheitsoptimisten sind alle Standpunkte vertreten. Dabei gelingt es FLIX nicht nur, Zuneigung zu wecken und Nachdenklichkeit einzufordern. Er vermittelt auch komprimiertes Sachwissen, so leicht und schwerelos, so unterhaltsam zu lesen, dass dieser schmale Comicband ohne weiteres eine gekonnte Diskussionsgrundlage für den politisch bildenden Unterricht an Schulen darstellen könnte.

‚Da war mal was…‘ spricht – unaufdringlich und mit Verständnis für das Menschsein mit all seinen Fehlern – das Herz an. Und es weckt den unwiderstehlichen Drang, im Anschluss an das Lesen mit einem guten Freund zu reden, vielleicht eben jenem genau die gleichen Fragen zu stellen. [Britta]

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