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Alle meine Wünsche

Autor: Grégoire Delacourt

Genre: Belletristik

Verlag: Hoffmann und Campe

Preis: 15.99 € €

ISBN 978-3-455-40384-8

Hier geht es zur Leseprobe.

Jocelyne ist Ehefrau und Mutter. Jo, ihr Mann, arbeitet ehrgeizig in der Fabrik des Ortes, um sich all seine hochtrabenden Träume eines Tages leisten zu können. Sie selber führt einen Kurzwarenladen, dem es schwer fällt, sich in der langweiligen französischen Ortschaft überhaupt noch gegen die größeren Ketten zu behaupten. Die beiden Kinder gehen inzwischen eigener Wege und auch die Ehe ist nach nunmehr einundzwanzig Jahren alles andere als aufregend zu nennen. Jocelyne beobachtet. Sie resümiert. Sie ist zufrieden. Doch dann geschehen zwei Dinge zugleich, die alles ändern.

Als ihr Mann das erste Mal seit Jahren unpässlich ist, schließt sie für einige Tage den Laden, um ihn zu pflegen. In dem unscheinbaren Blog, den sie sonst regelmäßig online führt, um über Lieferungen wundervoller neuer Stoffe oder über das ‚Wie‘ längst vergangener Handarbeitstechniken zu erzählen, vermerkt sie diese vorübergehende Abwesenheit ebenfalls – und plötzlich bricht eine Welle der Hilfsbereitschaft über sie herein, mit der sie niemals gerechnet hätte. Völlig unbekannte Menschen, die bisher schweigend mitgelesen hatten, kommen in den Laden und schenken zur Aufmunterung Selbstgemachtes. Der Zulauf an Kundschaft entwickelt sich erst zum Hype, dann sogar zum Selbstläufer, bis sogar die Presse auf Jocelyne aufmerksam wird.

Das Zweite, was passiert, bleibt hingegen unsichtbar. Die unauffällige Ehefrau und Mutter nimmt auf Wunsch ihrer Freundinnen am Lotto teil. Ein einziges Mal. Und sie gewinnt den millionenschweren Jackpott! Doch sie behält das Wissen darum für sich und versteckt den Scheck, ohne ihn einzulösen. Zu groß ihre Angst vor Veränderungen, zu eingebrannt die selbst oktruierte Überzeugung, dass sie alles hat, nichts benötigt… zufrieden ist. Doch wäre es wirklich so schlimm, wenn sie etwas von dem Geld nehmen und zumindest kleinere Reparaturen machen lassen würde? Und während die imaginäre Wunschliste dessen, was sie für andere und für sich mit dem Geld ändern könnte mit jedem Tag länger wird, beginnen unbemerkt die Veränderungen in ihr und in ihrem Umfeld.

‚Alle meine Wünsche‘ lautet im französischen Originaltitel ‚La liste de mes envies‘, was dem immer wieder aufgegriffenen Thema der Aufzählung noch mehr Bedeutung beimisst. Der vergleichsweise schmale Hardcover-Band überzeugt durch eine schöne Umschlaggestaltung, sowie durch eine durchdachte Geschichte mit überraschendem Ende. Der melancholische Grundton der Erzählung aus Sicht einer Frau, die zu viel von sich gegeben hat, geht sehr zu Herzen. Die Geschichte beginnt gleich auf der ersten Seite mit einem eher gewagten Einstieg, entwickelt dann aber durch ihre monotone Direktheit einen nahezu unwirklichen Sog. Ich habe sie innerhalb eines Abends gelesen und sie wird mir, im Gegensatz zu vielen anderen (viel längeren) Geschichten, ganz sicher gegenwärtig bleiben. Mein Lesetipp für Frauen, die sich nicht vor einsamen Momenten mit einem atmosphärisch dichten, sonst aber völlig action- und fantasyfreiem Buch scheuen. [Britta]

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