Fantasy

Das Wortspiel ist ein kleines Biotop für alle Fantasy-Fans: Ob Tolkien, Tad Williams oder Pratchett, ob George R.R. Martin, Christoph Marzi oder Markus Heitz, bei uns warten viele Romane und Serien zum Stöbern und Entdecken auf Euch. Und im Wortspiel findet Ihr natürlich auch ungewöhnliche Titel und absolute Geheimtipps.

Was genau ist denn nun aber Fantasy? Lässt sich das irgendwie definieren?

Die Phantastische Literatur und damit auch die Fantasy splittet sich in diverse Subgenre auf. Diese Subgenre unterscheiden sich zum Teil stark von der „ursprünglichen“ Fantasy, wie sie meistens mit J. R. R. Tolkiens „Herr der Ringe“ in Verbindung gebracht wird. Es haben sich mittlerweile eine Vielzahl an Subgenre herausgebildet, die zum Teil gar nicht klar voneinander trennbar sind. Üblich ist die Untergliederung in: High Fantasy, Low Fantasy, Historische Fantasy, Humorvolle Fantasy, Tier-Fantasy, Dark Fantasy, Science Fantasy, Zeitgenössische Fantasy und Social Fantasy.

 

High Fantasy (Epische Fantasy)

Ist von Fantasy die Rede, wird im Allgemeinen zunächst an die High Fantasy gedacht. Es handelt sich dabei um Fantasy, die in epischer Breite angelegt ist und oft mehrteilige Romanzyklen umfasst. Dem Leser wird eine abgeschlossene, bis ins kleinste Detail fabulierte Welt vorgeführt, die einen eigenen mythologischen Hintergrund hat (in welchem natürlich Magie eine große Rolle spielt) und in dem diverse nicht-reale Wesen auftreten, wie Zwerge, Elfen, Orks, Dämonen, Gottheiten und andere Fabelwesen. Eine wichtige Rolle spielen oft Zauberer, Hexen und Magier. Für die Handlung gibt es meistens einen Helden oder eine Heldin (manchmal auch eine Helden-Gruppe), der/die sich auf eine abenteuerliche und gefährliche Reise begeben muss/müssen, um seine/ihre Aufgabe (die „Queste“) zu erfüllen.
Maß aller Dinge für dieses Subgenre dürfte J. R. R. Tolkiens „Der Herr der Ringe“ sein. Aber auch die Geschichten anderer Autoren, wie etwa der „Drachenlanze“- Zyklus von Margaret Weis und Tracy Hickman, die „Erdsee“-Trilogie von Ursula K. LeGuin, Tad Williams „Osten-Ard“ Zyklus oder George R. R. Martins „Das Lied von Eis und Feuer“, Terry Brooks „Shannara“-Reihe, Steven Eriksons “Das Spiel der Götter” und David Eddings „Belgariad“-Serie zählen dazu. Aktuell ist mit “Die Karte der Welt” von Royce Buckingham ein neuer High Fantasy-Roman erschienen.

Low Fantasy oder auch Heroische Fantasy (Heroic Fantasy/ Sword and Sorcery)

Die Heroische Fantasy steht der Epischen Fantasy recht nahe, ihre Geschichten weisen gleiche oder ähnliche Grundstrukturen auf. Sie ist quasi das aus den USA stammende Pendant zur High Fantasy.
Im Mittelpunkt steht in der Regel ein einsamer Krieger oder eine Kriegerin, der/die allein mit Waffengewalt gegen einen übermächtigen Gegner antritt. Es geht üblicherweise um einen Kampf des Guten gegen das Böse. Magienutzung ist der bösen Seite vorbehalten, während sich der Held auf die Hilfe seiner Muskelkräfte oder auf seine (magische) Waffe verlässt.
Heroische Fantasy erfreute sich besonders in der Mitte der 1980er und in den frühen 1990er Jahren großer Beliebtheit. Viele dieser Taschenbücher findet man noch im modernen Antiquariat. Heute hingegen erscheinen nur noch selten Romane dieses Typs, sondern eher Satiren darauf. „Conan der Barbar“ von Robert E. Howard ist das bekannteste Beispiel der Heroischen Fantasy. Für die neu aufkommende Form der heroischen Fantasy sind die Romane von Steven Brust oder David Gemmell zu erwähnen. Aber auch Raymon Feists „Midkemia“-Saga und R. A. Salvatores Dunkelelf-Romane könnten hier mit Berechtigung eingeordnet werden. Aktuelle Titel der Heroischen Fantasy sind zum Beispiel Brent Weeks’ “Schatten Trilogie” oder Jim Butchers “Codex Alera”.

 

Historische Fantasy

Hierbei handelt es sich um eine Mischung aus Fantasy und historischem Roman. Die Geschichten dieses Subgenre spielen zwar in der Vergangenheit, legen aber nicht unbedingt Wert auf historische Authentizität. Wobei es natürlich auch Historische Fantasy gibt, die gut recherchiert und faktisch richtig ist, dann aber mit unhistorischen Elementen, wie Magie und Mythos „gewürzt“ wird. Die Protagonisten erleben ihre Abenteuer vor einem geschichtlichen Hintergrund unserer realen Welt beziehungsweise unseren Mythenvorstellungen und Sagen (König Artus-Sage, Nibelungenlied, Göttersagen).
Das bekannteste Beispiel für historische Fantasy ist vermutlich die „Avalon“-Trilogie von Marion Zimmer-Bradley. Ein deutschsprachiges Beispiel wäre die „Dr. Faustus“-Trilogie von Kai Meyer. Aktuelle historische Fantasy-Romane sind “Die Feuerreiter Seiner Majestät” von Naomi Novik oder Torsten Finks “Drachensturm”.

 

Humorvolle Fantasy (oder auch „Funny Fantasy“)

Die Humorvolle Fantasy bietet oft Parodien auf die Epische Fantasy. Sie ist mal ironisch, mal zynisch aber oft voller witziger Ideen und absurder Handlungen. Ihre Protagonisten sind meistens keine Helden mehr, sondern widersprechen den üblichen Heldenvorstellungen: ängstliche Krieger, magieunbegabte Zauberer und tollpatschige Elfen.
Als bekanntestes Beispiel hierfür dürfen wohl die Romane von Terry Pratchett gelten, in denen unter anderem gängige Fantasy-Klischees und literarische Klassiker (Goethes „Faust“ oder die Werke von Shakespeare) auf die Scheibenwelt versetzt und dort parodiert werden. Ein anderer Autor der humorvollen Fantasy ist Robert Asprin und sein „Dämonen“-Zyklus aus den frühen 1990er Jahren. Auch die Romane von A. Lee Martinez und Walter Moers lassen sich hier einordnen.

 

Dark Fantasy (Fantasy-Horror)

Als Dark Fantasy lässt sich eine Mischung der Genre Horror und Fantasy verstehen. Anders als beim reinen Horror nehmen die Erzählungen des Fantasy-Horrors jedoch meist ein gutes oder zumindest versöhnliches Ende. Eine wichtige Rolle spielen in diesen Geschichten Vampire, Werwölfe, verrückte Wissenschaftler oder blutrünstige Bösewichte. Die Grundstimmung ist zumeist düster.
Am bekanntesten sind die „Vampir“-Chroniken von Anne Rice, Werke von Stephen King, wie etwa „Der dunkle Turm“ und die „Malazan-Chroniken“ von Steven Erikson.

 

Science Fantasy

Sie ist, wie der Name schon sagt, eine Mischung aus Fantasy und Science Fiction-Elementen. Sie ist oftmals auf einem fremden Planeten angesiedelt. Zu diesem Subgenre zählt man „Otherland“ von Tad Williams, den „Darkover“-Zyklus von Marion Zimmer-Bradley oder die „Dragonrider“-Serie von Anne McCaffrey, aber auch die „Lila-Black“-Romane von Justina Robson.

 

Zeitgenössische Fantasy (Urban Fantasy/Contemporary Fantasy/Elf Punk)

Erzählungen der Zeitgenössischen Fantasy spielen oft in unserer realen Alltagswelt, in die dann plötzlich die „Magie“ oder andere wundersame Begebenheiten einbrechen. In einer anderen Variante wird eine Person aus ihrer Realität hinaus in eine Parallelwelt gezogen. Dort muss sie dann eine Aufgabe bewältigen und kehrt meistens anschließend in ihre Realität zurück.
Zu diesem Subgenre zählen Joanne K. Rowlings „Harry Potter“, „American Gods“ von Neil Gaimann, „Fool on the Hill“ von Matt Ruff aber auch TV-Serien wie „Buffy“. Aktuelle Urban Fantasy Reihen sind die “Rachel-Morgan” Romane von Kim Harrison oder die “Dämonenfängerin” von Jana Oliver.

 

Social Fantasy

In ihr stehen sozial- und gesellschaftskritische Themen bewusst im Vordergrund. Auch politische Utopien, wie etwa der Anarchismus, werden in ihr behandelt. Ziel der Social Fantasy ist es, sich dem doch recht negativen Image der Fantasy-Literatur (trivial, unpolitisch, „schmuddelig“) entgegenzustellen und eine politisch motivierte Fantasy zu schaffen. Vertreter dieser Richtung ist unter anderem Ursula K. LeGuin.

 

Dystopien

Oft wird in Dystopien zunächst die Vorgeschichte der beschrieben dystopischen Gesellschaft erzählt, oft wie in einer Art Vorwort. Ganz egal ob Krieg, Revolution, Aufstände, Klimawandel oder demographische Katastrophen – immer geht es um einen gedachten Zukunftsentwurf, wie er schlimmer kaum noch möglich wäre. Der Protagonist, meistens junge Erwachsene zwischen 15 und 20 Jahren, beginnt die gesellschaftlichen Verhältnisse zu hinterfragen oder fängt zumindest an, die Gesellschaft und seine Position in dieser zu hinterfragen. Beispiele für gelungen Dystopien sind “Die Tribute von Panem” von Suzanne Collins und “Dark Canopy” von Jennifer Benkau. [mehr]

 

Animal Fantasy (Tier-Fantasy)

Dieses Subgenre lässt sich wohl am ehesten noch mit Fabeln gleichsetzen. In ihm sind (sprechende) Tiere die Protagonisten und eine moralische Komponente durchzieht die Romane. Dabei geht es um den Umgang der Menschen mit Tieren und Natur, der aus „tierischer Sicht“ dargestellt wird. Anders als Fabeln hat die Tier-Fantasy oft einen magischen Einschlag.
Die tierischen Protagonisten haben das gleiche komplexe Sozialverhalten wie menschliche Charaktere, machen eine Entwicklung durch und nicht selten geht es um die Rettung der Welt – eben um den für die Tiere relevanten Teil dieser. Als Klassiker dieses Subgrene gilt unbestritten Richard Adams „Unten am Fluss“. Aber auch das Kinderbuch von Colin Dann „Als die Tiere den Wald verließen“ und neuere Tier-Fantasy, wie z. B. „Die Geschichte von Mistmantle“ von Margi I. McAllister,”Die Legende der Wächter” von Kathryn Lasky sowie Garry D. Kilworths „Gewiefte Wiesel“ gehören in diese Kategorie.

 

All Age Romane

All Age Romane sind kein eigenes Genre, sondern sind oft Bücher aus dem  Genre “Fantasy”, die bereits für jüngere Leser gut geeignet sind. Die Hauptfiguren bzw. Helden und Heldinnen sind oft recht jung. Hierzu zählen unter anderem die Harry Potter Romane, Christopher Paolinis Eragon und sogar Trudi Canavans “Die Gilde der schwarzen Magier”. Weitere Beispiele wären “Die Bestimmung” von Veronica Roth, “Rubinrot” von Kerstin Gier oder “Everflame” von Josephine Angelini.